Kommunikatives Handeln

Der Begriff des kommunikativen Handelns ist wie das schlichte Wort Kommunikation in einen inflationären Gebrauch ausgeufert. Dabei will niemand bestreiten, dass dieses Handeln in Studiengängen und Schulplänen in bester kommerzieller Absicht geübt und fleißig erprobt wird. Doch sind auch die destruktiven Gegenkräfte, die willkürlich an der Sprache herum schrauben und allerlei Missbräuche in die rein-sprachliche Sphäre einführen, weder zu überhören noch zu übersehen. Vor allem die Genderpolitik, die in sämtliche Bezirke vordringt, und den sprachlichen Allgemein-Verstand verunreinigt und beschädigt, erleichtert das kommunikative Handeln weit weniger, als sie es vernebelt und der Verständlichkeit entzieht. So werden altehrwürdige Wörter wie Student und Studentin willkürlich in Studierende umgewandelt, um der geschlechtlichen Gerechtigkeit willen, die nichts als ein Popanz, ein Moderwort ist. Doch niemand ist willens, dem Unfug Einhalt zu gebieten. Selbst die besten Schriftsteller nicht und man muss wohl gespannt sein, wann sie das Wort Schüler in die „Zu-Schulenden umfälschen. Wie hässlich und misstönend das alles klingt, wie etwa auch die absurden Azubis im Schlepptau der Hochsprache,- es ist eine Beleidigung für jedes musikalische Ohr. – Das alles schreit nach Satirikern, die den Tempel der Sprache wieder reinigen, da die Beamten der Sprachverwaltung sich dazu außerstande fühlen und sich aus politischem Opportunismus lieber wegducken. Wie immer und überall. Denn die Sprache sei nun mal vor gesellschaftlichen Sektierern nicht zu bewahren, sondern ein bloßes Instrument der freien Meinungsbildung. Keine Duden-Norm bremst mehr das Chaos, der häufige Gebrauch ersetzt jede Norm, sagen die Linguisten, denen der Wohlklang der Sprache nicht viel bedeutet. Dazu passte, dass sie Udo Lindenberg, gewiss kein kleiner Massen-Star, die Jakob Grimm Medaille umhängten. Linguisten und Sprachbeamte sind ja keine Rhetoriker, sagt man, sondern wie jedermann und seine nette Frau allein um soziale Gerechtigkeit bemüht. Also müssen selbstredend vor den Bürgern die Bürgerinnen immerzu als erste angesprochen werden. Wie auch die Feuerwehr-Männinnen vor den Männern. Das ruiniert die allgemeine Grußformel, die nie allein männlich gemeint war, zu einem ermüdenden Ritual politischer Korrektheit. Jesus, ist das langweilig und verhindert jede anspielende Eleganz in lähmender Langeweile. Ästhetische Kriterien gehen so zuschanden und alles spielerische Kalkül wird aus dem kommunikativen Handeln ausgegrenzt. Denn dieses soll bockernst verstanden und der parteilichen Willensbildung unterworfen werden, statt dem freien Spiel der Kräfte. Demgemäß betonen sie jetzt überall gut hörbar auch ihren Fetisch Konsens falsch, nämlich auf der ersten Silbe. Aber pardon, das Wort falsch gibt es ja gar nicht mehr, seit das Wort wahr, in Wahrheit in den Besitz der numerischen Mehrheit übernommen worden ist.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s