Frau Sandra Maischberger

Sie kann sicher nichts dafür. Sie sieht sogar ganz nett aus, sie ginge in der heutigen Zeit ohne weiteres als Gattin eines Chefarztes oder eines Staranwaltes  in der Provinz durch. Aber ihr eine Sendung aufzuzwingen, das überfordert ihren Ehrgeiz entschieden. Dafür hat sie auch ein viel zu zänkisches Wesen angenommen. Sie stört ihre Gäste regelmäßig und sobald ein Gedanke aufkommt, geht sie dazwischen, denn sie will die Diskussion selbst ordnen und in einzelne Punkte gliedern. Wie eine emsige Studienrätin, sodass ihre Gäste immerzu wie undisziplinierte Bengel ausschauen. Dabei hatte sich Stegner, ein Traditionalist in der Arbeiterpartei SPD, fest vorgenommen, die Frau Petry von der AFD als Rassistin und Antidemokratin niederzuknüppeln und schonugslos zu entlarven. Er hatte dazu sogar eigens Beweismaterial mitgebracht. Aber er kam nicht dazu, jedesmal, wenn er zur Schlacht blasen wollte, schwatzte Frau Maischberger dazwischen. Frau Petry lachte aufreizend wie ein Page, wie ein listiger Diener in einer Komödie Goldonis. Sie hat überhaupt etwas Burschenhaftes, als erwarte sie jeden Augenblick ihren Herrn zurück, der  um die Ecke gerade ein dringendes Geschäft zu erledigen hat. Er würde es bei seiner Rückkunft den Angreifern gleich brühwarm einschenken, worum es geht, sodass sie saudumm aussähen. Sie ist ja nur der Bundesvorstand der Partei, betonte sie immer wieder. Er aber ist der gute Geist Altgermaniens, den sie beschwört. Denn sie liebt ungeniert und provokativ Deutschland, sie ist eine Patriotin und möchte verhindern, dass ihr Vaterland in der Überschwemmung fremder Kulturen untergeht. Aber das eben sei ausländerfeindlich und rassistisch, wirft ihr der reiche Erbe Augstein vor, der wie ein Porschefahrer in die Runde hereingeschneit ist, um den linken Salonlöwen zu geben. Auch er kam nicht nicht durch mit seinen lockeren Sprüchen. Denn neben ihm saß der honorige Herr Olaf Henkel, der Vertreter der Wirtschaftsaristokratie, der eine neuen Partei gründete mit dem preziösen Namen „Alpha“. Er benahm sich dezidiert höflich, er wolle sich hier nicht mit Leuten wie Stegner und Petry herumbalgen in all der schmutzigen Wasche, mit der er noch nie etwas zu schaffen hatte. Dazu hat er doch eine Zugehfrau. Er sei gekommen, um ganz andere, weit höhere Themen zu verhandeln, um die es ihm hauptsächlich ginge. Man hatte überhaupt den Eindruck, er betrachte die politische Sphäre wie einen edlen Bastelladen, in dem er den spiritus rector vorstellt. In seiner neuen Partei kommen solche politischen Kanalarbeiter, wie sie hier um ihn herumsaßen, überhaupt nicht in die Tüte. Mit dieser Attitüde spielte er den Ball hinüber zum Schweizer Köppel, der in seinem herrlichen Singsang immer wieder  auflachte und frohgemut die Rolle des bösen Reaktionärs annehmen wollte. Doch Frau Maischberger unterbrach und störte auch ihn, der zu so befreienden Tiraden ansetzte, wenn er den reichen Erben Augstein und den aggressiven Stegner angriff, sie als Ideologen bezeichnete und die programmierte Schlammschlacht gegen Frau Petry und ihre AFD auf sein Schweizer Engagement bei den Konservativen dort umleiten wollte. Immer mit den Subtext: oh ihr Deutschen!! Wie hysterisch werdet ihr bei jedem Thema. Ihr gehört doch alle in eine Therapie. Aber er sprach ohne Grimm und verlor nicht eine Sekunde die gute Laune, während Stegner sich dauerempört und erregt zeigte.

Ja, nein: es missglückte alles, alle schrien durcheinander, sogar Herr Olaf Henkel, der seriöse Wirtschaftsdenker focht einen Zank nach dem anderen mit dem reichen Augstein aus, dem man ansah, dass er noch nie etwas von unten, sozusagen von der Pike auf, zu zu tun und zu beginnen hatte. Er kommt direkt aus dem vollen, luxuriösen Leben und denkt sich die Probleme und Missstände, welche die Deutschen angeblich arg in ihren Schuhen drückten, ganz von selber aus und je nachdem, wie er gerade in Stimmung ist. Augstein ist ein Nachfahre jener Kaste, die man früher die Herrenreiter nannte. Damals waren sie scharf rechts, heute fahren sie Fahrrad und schmücken sich gerne mit den linken Retro-Farben yellow und tief schwarz.  Im Grund eine alte, verjährte Show, die er ständig abziehen will.

Vornehmlich aber missglückte Frau Maischbergers Rolle und Intention, die Fernsehzuschauer zu alarmieren und darüber aufzuklären, wie böse und rassistisch doch die neue Petry-Partei in Wahrheit sei, die man als Mitglied der liberalen Bundesrepublik wirklich nicht wählen kann. Ich vermute, sie bewirkte wieder einmal das Gegenteil von dem, was sie wollte. Sie ist als Gastgeberin einfach zu untalentiert.

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