Der charakterlose Geistbetrieb

Man soll ja die allmählich ihrer Vergänglichkeit anheim fallenden Kultur-Greise nicht unnötig schmähen. Es sei denn, sie hätten durch ihr Geschwafel besonders verderblich und bis heute auf den Kritikerberuf eingewirkt, wie dieser mir schier unerträgliche Professor Joachim Kaiser, der neben seinem akademischen Posten auch noch die leitende Redaktionsstelle der Süddeutschen Zeitung jahrzehntelang besetzen durfte. Er versuchte erfolgreich seine Unkenntnisse der modernen Tonsetzer mit überschwänglichen Büro-Hymnen auf die Meister von gestern zu vertuschen. Als hätten wir ohne sein Geschwätz nicht wissen können, dass Beethoven ein ganz Großer ist. Nach diesem Modell schrieb jüngst in der ZEIT auch ein bekannter Kriecher des deutschen Geistbetriebes, (den Namen will ich nicht nennen, die Leser der Schmachtpostille werden ihn eh kennen,) eine absurde Lobeshymne auf den berühmten Romanisten Curtius. Nicht dass irgendjemand wie ich die Verdienste dieses enormen Literaturkenners bezweifeln wollte. Er mühte sich sehr und mit viel Fleiß, seine Privilegien zu nutzen und prominierte nicht nur an dem berühmten Kulturpilgerort Sils Maria herum und ärgerte sich dabei über die vielen Juden, die sich nach dem 2. Krieg ebenfalls die Ehre gaben, auf den Denker-Pfaden des großen „unsterblichen“ Nietzsche zu wandeln. Nein, dieser Herr Professor Curtius ließ sich immer wieder auch von den großen Dichtern seiner Zeit kreativ anstecken und hob in seinen gelehrten Aufsätzen sogar zu singen an. Ich musste heute Nacht bei der Lektüre seiner feinsinnigen Gesänge an ihn und den ihn bewundernden Kretin aus der „Zeit“ denken. Sowohl jener wie dieser beanspruchen , wenn auch auf sehr ungleichem Niveau, den Status und den Nimbus eines Kritikers, der ihnen natürlich bei all den Teestunden der edlen vermögenden Kulturdamen immerzu schwärmerisch zugestanden wurde. Doch darin gründet eben die verderbliche Verwechslung, ein Kritiker ist nicht geeignet als Heimleiter eines literarischen Mädchenpensionats. Er verstrickt sich nur bei Strafe an seinem Stil in die landläufige Gemütlichkeit von Betriebsgrößen und anderem Prinzengeschwerl , er verstrickt sich naturgemäß auch in Schuld und es fragt sich nur, in welcher Argumentationshöhe und mit welchem Elan das geschieht. So dass wir immer sehen können, dass aus den Irrtümern echter Kritik nicht weniger Erkenntnisse erwachsen als aus den sicheren und gerechten Urteilen. Aber wer möchte das heute noch verstehen, da diesen Kulturgreisen, neben den vielen Fastfood Leuten, wie dem Scheck, dem Weidenfeld, Radisch und Co, immer noch alle Zügel in die Hand gegeben sind. Denn die Kultur ist tot und der Geist im Betrieb längst ranzig und vollkommen geschmacklos geworden.

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