Todenhöfer-Guru besonnener Bürgerinnen und Bürger

Der ehemalige Burdaverlagschef und CDU Hardliner im kalten Krieg weiß natürlich, wie man Bestseller verfertigt, zwischen reality-fake und Fiktion. Er versteht es, den Hundertausendschaften zum Munde zu reden. Jetzt aber hat er eine Portion Fett abgekriegt . Nicht dass ich dem Sensationsblatt Spiegel jemals blind vertraute, nicht dass ich nicht herauslesen könnte, dass der langjährige Freund von Todenhöfer,Vater & Sohn, nicht ohne Eitelkeit und Beleidigtsein jetzt auspackte, gegen den anscheinend so sanftmütig gewordenen Todenhöfer. Doch Freund Richter war dabei im Barbarengebiet des IS, als Todenhöfer die vermeintlich so gefährliche Reise zu den Massenmördern unternahm, um Material zu sammeln für sein Bestseller-Buch. Dort habe er , sagt Todenhöfer, abgerechnet mit den grausamen Massenmördern. Das Buch brachte großen Erfolg und er tingelte von Talkshow zu Talkshow, um seine Erkenntnisse und politischen Botschaften zu verbreiten, als Augenzeuge und Kenner des guten Islam und des blutigen Islamismus. Doch der Reisebegleiter Richter erzählte nun dem Spiegel, dass einiges in dem Buch nicht stimmt, einiges viel schöner gefärbt da steht, als es wirklich war. Ja, er geht soweit , zu behaupten, was Kritiker Todenhöfers gleich vermutet hatten, er machte sich auf der Reise zum Propagandisten des IS und bekämpfte ihn mitnichten. Die Reise war als Tourismustour vom IS geplant und von Anfang bis Ende gelenkt und getürkt. Todenhöfer geht mittlerweile juristisch gegen Richter vor und bestreitet alles, was dieser gegen ihn vorbringt. Es steht also Aussage gegen Aussage? Nein, Richters Korrektur bestätigt nur, was jeder, der Todenhöfer schon länger zugehört hat, immer wieder kopfschüttelnd bei sich denken konnte, ohne ihn handfest wiederlegen zu können. Spätestens sein Interview mit Assad, das die ZEIT vor ein oder zwei Jahren publizierte, brachte mich sogleich auf den Verdacht, dass Islamfreund Todenhöfer nur sieht, was er sehen und beschwichtigen will. Besonders sein Ressentiment gegen die amerikanische Politik leitet ihn schon seit langem. Das kommt im linksliberalen Deutschland naturgemäß sehr gut an. Es ist die bekannte Leier: Hätten die US im Irak nicht so grundfalsch und töricht gehandelt, gäbe es den Terrorismus gar nicht und die Welt wäre friedlich geblieben. Ein Ammenmärchen, das sich umso besser verkauft, je weniger man explizit davon redet , sondern die milde verpackte Hetze immer wieder an geeigneten Stellen nur einfließen lässt. Nicht nur der Islam ist gespalten, auch der Westen pflegt seinen latenten Antiamerikanismus. Die Medien bemerken den faulen Trick nicht. Mit Absicht? Sie konzentrieren sich auf die „tollpatschigen“ Amerikaner und den Feind rechts, den sie maßlos aufblasen und damit aufwerten. Todenhöfer aber justieren sie irgendwie in der Mitte, wo sie allgemein die Vernunft verorten. Ich nenne das die schleichende Ideologie des bigotten juste milieu.

 

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