Roman Polanskis „Bitter Moon“

Ich sah den Film schon vor ungefähr 20 Jahren im Kino. Die Geschichte ging mir nie mehr aus dem Kopf. Der Dame, die mich damals begleitete, verhagelte es hinterher gründlich die erotische Stimmung. Gestern sah ich den Film wieder, bei 3 SAT. Ein Werk von höchstem Rang, ohne Vergleich. Geradezu lächerlich, harmlos, was unsere deutschen Kinomacher-und Helden dagegen zu Wege bringen. Nun ja, Genies kann man eben nicht backen, schon gar nicht mit staatlichen Subventionen, Preisen und Förderungen.

Der Film erzählt eine bitter ernste Geschichte der Leidenschaft zweier Menschen. Die Hauptdarstellerin, Polanskis Frau, Emmanuelle Seigner, die die Liebende spielt und auch die grausame Rache der bezaubernd schönen Mimi übernimmt, geht über alle Grenzen sexuellen Begehrens, sie überzeugt vollkommen. Sie ist schön, ausdrucksstark, unglaublich wandlungsfähig und sie setzt buchstäblich alles ein, was sie hat und was sie ausmacht. Vermutlich ist diese Schauspielleistung ihre große Liebeserklärung an Roman Polanski, den schonungslosen Regisseur, dessen Radikalität sie unterstützt und fast -möchte ich sagen- noch überbietet. Denn sie riskiert an Leib und Leben weit mehr als er, scheint mir. Freilich ist ihre Höchstleistung auch nicht möglich, ohne diesen fabelhaften Regisseur und ihren Film-Partner Oscar, der den Liebhaber und schließlich den verzweifelten Zyniker gibt: Peter Coyote . Schade, dass er am Ende mehrmals betont, wie sehr und abgrundtief er sich selbst verachtet und hasst. Nach allem, was er verbrochen hat:- er hat seine Schöne und Liebste verraten und gedemütigt. – Seine Tat am Schluss, als er Mimi und sich selbst erschießt mit dem Ausruf: wir waren zu gierig, hätte allein vollkommen genügt. Aber auch ein Regisseur der Championsklasse muss sein Publikum letztlich mitnehmen. Letztlich ist die Botschaft eine grundsätzlich katholische, Polanski ist letztlich und nicht nur vordergründig Pole, wie Milosz einer war, wie Mrozek, Witkiewicz und andere. Wer sich von der Sünde bis in die unmenschliche Hölle führen lässt, weil er sich allzu souverän und mächtig fühlt, kommt darin um.

Verwunderlich bleibt, wie ungeheuer schön und zart, wie paradiesisch diese Liebesgeschichte beginnt, zwischen einem erfolglosen amerikanischen Schriftsteller in Paris und einer französischen, naiven Serviererin. Der unerfüllte Ehrgeiz Oscars macht ihn so zornig und hundsgemein, er wird zum Sadisten an Mimi, die er zuerst so leidenschaftlich liebt, wie sie ihn, und bevor sie sich gnadenlos rächt an ihm. Doch beider Höllenfahrt bindet sie erst recht aneinander. Sie pflegt und quält ihn, den Querschnittgelähmten, nun in seinem Rollstuhl. Sexuell fällt er jetzt aus als Mann, er ist impotent und sie vögelt im Nebenzimmer mit einem anderen, um ihn leiden zu machen. Das erzählt Oskar alles in Rückblenden, einem etwas prüden und biederen Briten. Denn wir befinden uns auf einem Luxusliner, auf der Fahr nach Indien. Auch die immer wiederkehrenden Meeresbilder von draußen, dem wilden Ozean, sind ein treffendes Symbol, aber, wie gesagt, alles geht schrecklich zu Ende. Oscar tötet am Schluss Mimi und sich selbst. Das britische Paar, das in die Handlung hineingezerrt wurde, ist erschüttert und umarmt sich bei Unwetter und Regen. Auch sie haben sich beide, wenn auch auf sehr viel kleinerer Flamme , aneinander versündigt. Er begehrte Mimi ,wurde von ihr zuerst heiss gemacht, dann abgewiesen, zuerst an der Bar und schließlich auf der Sylvesterparty auf dem Luxusdampfer. Ihr Rachedurst und ihre Verachtung traf nun wohl alle Männer. Danach geht sie mit der britischen Ehefrau ins Bett, denn diese kämpfte zunächst um ihren Gatten und hatte den Mut, gegen Mimi tanzend anzutreten. Dann aber traf auch die biedere Britin der erotische Pfeil der außergewöhnlichen Mimi. Welche ungeheure Verwandlung machte sie durch, von der kleinen und naiven Serviererin bis zu diesem Vamp, dieser Dämonin, die auf der Asche ihrer großen Leidenschaft nicht aufhören kann, sich zu rächen und zu triumphieren.

Im Schlussbild sehen wir den Inder, den wir aus einer Nebenhandlung mit seiner kleinen Tochter schon kennen, unter einem Regenschirm von Bord gehen. Das kleine Mädchen an der Hand. Sie sind zu Hause angekommen. Mimi und Oscar sind tot. britische Paar kam wie der Zuschauer mit dem Schrecken davon.

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