Die Stadt und die Macht in der ard– (Schluss)

Das Fernsehen braucht dringend gute, ja sogar sehr gute, fantasiereiche Drehbücher. Um das zu erreichen, muss über die Autoren gesprochen werden, statt sie dauernd zu verstecken. Im jüngsten Fall der Serie „die Stadt und die Macht“ besteht das Drehbuchteam aus Annette Simon, Christoph Fromm und Martin Behnke Diese drei wissen natürlich genau, was das Fernsehen will und bestellt hat: ein Reality Drama nach Maßgabe der politischen Fassade Berlins. Nicht satirisch, sondern anrührend mit gefühlvollem human touch. Nach Programmdirektor Herres sollte die Serie – „in ihrer engen Verzahnung von Politik und Leben vor allem eines deutlich werden lassen: Politik ist nicht etwas Menschenfernes, gar -feindliches, sie ist zutiefst menschlich, den Menschen in seinem Innersten betreffend.“ Solches Versprechen hat einen allzu dicken PR-Klang und meint eher ein Marketing-Rezept als ein freies Spiel der Fantasie, die sich so, weit unter ihren Möglichkeiten, an das zu halten hat, was ihr die Auftraggeber und Quotenkenner vorschreiben. Das sollte man eher als Ghostwriting denn als freie Autorschaft bezeichnen. In diesen Fesseln des Normalverstandes von Redakteuren und Schreibtischtätern ein gutes Drehbuch zu verfassen, scheint schier unmöglich.
Dennoch die drei Autoren haben’s versucht und sich ziemlich sklavisch an das angenähert, was man landläufig unter der Wirklichkeit versteht. Auch das Familiendrama zwischen Vater, Mutter und Tochter, zwar vorsichtig fiktiv ersonnen, hält sich an allzu bekannte Muster, einschließlich der Bearbeitung des Ödipuskomplexes in der Therapiestunde, wo die Analytikerin sich müht, Susanne Kröhmer beizubringen, sich von ihrer krankmachenden Bindung an den skrupellosen Vater zu lösen. Das will sie aber nicht, sie liebt ihn doch und will, wie in der Politik und im Wahlkampf, auch in der Therapiestunde „nach vorne schauen“. Wie verbraucht ist diese Phrase!!- In eine erfolgreiche Zukunft. Privat scheint sie die Wahrheit zu scheuen, die sie in der Politik als hoch-menschliche Ehrlichkeit pathetisch immerzu einfordert. Der Preis dafür ist im Privaten hoch. Mutter und Zieh-Vater begehen am Schluss Selbstmord. Susanne weiß nicht genau, wovon sie redet, welche Konsequenzen ihr naives Handeln haben wird. In dieser Figur und in ihrer sogenannten Vision gründet der Irrtum, man könnte auch sagen, der saure Kitsch im Drehbuch. Natürlich muss das Wesen der Politik nicht notwendig ins Verbrechen führen, wie hier auf der dunklen Seite der Macht-Darsteller im Drehbuch, doch idealistisch mit den Phrasen der Gutmenschlichkeit und der säkular-sozialen Evangelisierung ist sie erst recht nicht zu machen. Dergestalt ist sie eher ein lauer Gag, nicht weniger als ein Betrug. Dem kruden Abbildrealismus respondiert so im Märchen-Buch der Serie der wohlfeile Grundton der fastfood-Moral: die Politik ist für alle da. Susanne macht Politik für alle Berlinerinnen und Berlinder. Dafür steht ihr bilderbuchmäßiges Resozialisierungsprogramm. Nein, wenn ihr Schreiber die Sentimentalität von den Amerikanern abgekupfert habt, dann sieht das Original sicher um Längen interessanter und vielschichtiger aus. Aber sei’s drum.
Programmdirektor Herres ahnt von dem Plagiat nichts, er nimmt deshalb stante pede den Mund voll: „Mit ‚Die Stadt und die Macht‘ geht Das Erste neue Wege, bringt eine andere Farbe und Erzählweise in das erfolgreiche Serienangebot des Hauptabends. Ich wünsche dieser Polit-Serie, die wir als Event im Ersten platzieren, einen Wahlsieg bei unserem Publikum.“
O ja das entscheidende Duell im Wahlkampf zwischen Susanne Kröhmer und dem korrupten gangsterhaften Amtsinhaber Degenhart moderiert deshalb der scheinbar höchst reale ARD Moderator Plasberg, so wie man ihn kennt. Aus der zweiten Natur. Auch so eine Schnapsidee im Kampf um die Quoten. Volker Herres bräuchte dringend einen Manager, wie Martin Brambach ihn gibt im Film. Er war der einzige neue Lichtblick auf den alten Wegen der ARD, er zeigte nicht wie so einer, wie er, ist, sondern wie so einer wie er die Realität des Volksbegehrens als Fiktion mischt, macht und manipuliert.

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