Martin Brambach in “ die Stadt und die Macht“-

Das sechsteilige TV Drama „die Stadt und die Macht“ handelt wieder einmal vom politischen Sumpf der Berliner Hauptstadtpolitik, und ist gewiss gut und ordentlich gemacht. Der Fernsehrealismus, der die Intrigen und Schiebungen der Parteipolitiker von CDU und SPD wie wahrheitsgetreu abbildet, ist flott und dynamisch erzählt. Wir kannten das schon von Dieter Wedels realitiy-Thrillern. Jetzt wird klar, das können auch andere, wie Friedemann Fromm, ganz famos. Auch ist neben dem üblichen Theater der Absprachen und korrupten Geschäftemacherei hinter den Kulissen noch ein Familiendrama mitten in den Plot hineingepackt. Alles schön und spannend erspielt und ausgestattet. Gediegene Fernsehqualität. Auch die Tochter (Anna Loos, Hauptdarstellerin) des Berserkers und mafiösen Paten (Thomas Thieme), durchaus großartig und gekonnt wieder gegeben.. Die junge Frau und Tochter will Bürgermeisterin werden und wie es nur der Zufall vermag, ist sie zum rechten Zeitpunkt auch noch werdende Mutter. Alles entspricht unseren Vorstellungen, die wir als sog. Realität, aber auch aus der Boulevardpresse, gut wieder erkennen. Die Besetzung ist großartig, die Klischees vom Leben in der politischen Alltagswelt sind mit frischem Schauspieler- Leben erfüllt. Auch die kriminelle Energie, die in dem Betrieb von Politik und Wirtschaft waltet, um das Volk, das betrogen sein will, maßgerecht zu blenden und zu bedienen, erscheint wie echt. Wie aus dem „richtigen Leben“. Die Versprechungen von tausenden Arbeitsplätzen, mit welchen man den Amigos und Vettern der Bauwirtschaft Großprojekte zuschiebt, ist präzise den Nachrichten nachgebildet, die wir schon so oft zu schlucken hatten. Darein nun eine politische Idealistin gesetzt, die einiges ändern will und vollmundig von Transparenz und Ehrlichkeit tönt, naja. Das Fernsehen wird eben als ein Teil der Wirtschaft, die es als ganze anzutreiben gilt, nie anders als optimistisch sein können, auch das gehört zum Märchenstoff der spektakulären Realität. Gut gemacht, wie gesagt, det Janze. Der amtierende Bürgermeister, dargestellt von Burghart Klausner, besticht durch seine veritable Mediokrität und Berufsblindheit. Fast glaubt man, ihn persönlich zu kennen, so populär ist er , karikiert von seinem bilderbuchmäßigen Pragmatismus. Das alles aber: Plot, Familiendrama, Erzähltempo, Realismus, Ausstattung tritt in den Hintergrund, wenn Martin Brambach die Szene betritt. Er ist der Star, das eigentlich sehenswerte Stück im ganzen Spiel. Seine quirlige, gewissenlose Gerissenheit, mit der er den Wahlkampfmanager und Zyniker gibt, wie er seine Crew zur Hochleistung antreibt, wie er Privates, z.B. die Schwangerschaft der Bürgermeisterkandidatin werbetechnisch versiert verwertet, überhaupt wie er die Anna Loos zur Politikerin stylt und kreiert, wie sie ihre Werte der Ehrlichkeit und sozialen Gerechtigkeit nach seinem Takte mimen soll, dass man ihr glaubt, wie er sie das Lächeln und den Händedruck lehrt – fabelhaft. Er bringt jedes Mal Schwung in die Handlung, er ist Proteus, die Fiktion im Reality-Drama. Denn auch da, wo er die bekannten Tricks nur nachahmt, überformt er sie noch ins professionell Abseitige und seriös Betrügerische. Es ist immer klar, dass er spielt, dass er sich soeben verwandelt, gerade das macht ihn vollends glaubhaft. Seine gläserne, gleichwohl blickdichte Stimme, seine Selbstregie über seine immerzu sprechenden Augen, er ist ein Dämon und eine realistische Abzockerfigur aus einem Guss. Bei ihm, bei seiner Charakterstudie, die weit über das Berliner Sumpf-Drama hinausreicht, ginge es weiter. Dieser Grenzgänger zwischen exzentrischer Professionalität eines Managers und der randlegalen Natur eines Täters sui generis, verdiente neue Drehbücher, die ihn als Hauptfigur, ob als bad cop oder als seriösen Manager des sinisteren Weltbetriebs zeigen. Das Fernsehen ist mit ihm auf eine Goldmine gestoßen. Hoffentlich begreift man es noch, bevor ihn Hollywood abwirbt für immer.

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