Heimo Zobernig in Bregenz

Der Kärntner Künstler nutzt die vom Tageslicht erfüllten drei Etagen des Kunsthauses (KUB), wie die idealen Bedingungen der Möglichkeit von Kunst. In der ersten Etage steht ein Ensemble von leeren, billigen Regalen aus Pressspan. Die wie zu einem Gespräch oder einer Konferenz versammelten, bedeutungsarmen Gegenstände sind da und stehen zu-bzw. nebeneinander. Das Offensichtliche hat keinen weiteren Sinnüberschuss. Die Kunst im Kleid äußerster Profanität. Es deutet zunächst auf nichts als den gewöhnlichen Zeug- Gebrauch. Freilich es, das Zeug ist da. Ohne Emphase, in voller Präsenz. Im Gange der Betrachtung, denn die alltäglichen Dinge fordern zum Verweilen auf, werden diese handgreiflichen, dem Menschen zu handenen Dinge allmählich universell und von daher still heimlich ins Transzendente enthoben. Die formale Leere erinnert ans unerfüllte Ganze, ein immerzu verheißenes Glück der Fülle. In der mittleren Reihe sind dann figurative Elemente, Schaufensterpuppen zu sehen, von Rundregalen umringt und eingegrenzt. Da taucht es also sprichwörtlich und ironisch auf, das Thema: Der Mensch im Umfeld, im selbstbezüglichen Feld der Dinge. Ernüchternd und wundersam in einem.

Im zweiten Stock gestaltet Zobernig auf einfachste Weise einen Raum im Raum, mit schwarzen, gravitätisch wirkenden, jedoch kinderleicht aufziehbaren Molltonvorhängen. Sonst nichts. Denkwürdig, warum mir sofort ein Theaterraum einfällt, nicht etwa eine akademische Institution oder gar ein sakraler Raum. Dem von dem mächtigen Textil umgrenzten, vorläufigen Raum ist das Motiv des Wanderns, des mobilen Ausprobierens, des Auf-und Wieder Abbaubaren inhärent. Die Immanenz des Raumes ist also eine angenehme, spielerisch verstandene Täuschung. Es ist ein Probe-Raum, wo das bloße, keinem Ziel unterworfene Applaudieren geübt werden kann.

In der dritten Etage dann doch noch ein Abstecher ins Vertikale, ins Abschüssige eines gefertigten Sinnes: eine Bronzeskulptur, aus Schaufensterpuppen zusammengesetzt, 2 meter groß, mit zur Umarmungsgeste oder zur Versammlung rufenden ausgebreiteten Armen. Die beim Bronzeguss erforderlichen und bewusst sichtbar gelassenen Zurichtungen des Handwerkers weisen unwillkürlich in die Richtung eines Schmerzensmannes , der soeben ein Martyrium durchlebt. Überall an seinem Leib Nägel, Gusskanäle und Klammern. Ein Rufen und Leiden. Souveränität und Schmerz. Diese zweideutige Figur steht voll im Licht wie auf einer Bühne, denn der Rest des Raumes ist mit einer schwarz lackierten Deckenskulptur erniedrigt und verdunkelt. Doch der Raum bleibt offen und die Decke hat nichts Verengendes oder Bedrohliches. Die heiter gestimmte Raumwärterin erzählt mir, dass die Oberfläche der Decke eine schwarz lackierte Folie ist, unter der sich der leichte Stoff einer Wellpappe verbirgt.
Zobernig braucht also in allen drei Präsentation nur Kieselsteine, nur den gebräuchlichsten Stoff, um den juwelenhaften Wert der Kunst vorzustellen. Um so allen von ihm, nebenan vorgefundenen Gehalt aufzudecken und wieder zuzudecken, in einem entschiedenen Zug und Aktion. .

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