Tatort Fegefeuer 2

So sehr mir der erste Teil geglückt erschien, die Fortsetzung gestern war vermessen, zu hoch hinauf schielend, ja viel zu ehrgeizig. Die ARD sollte in ihrem bescheidenen Tatortformat mit den beschränkten Mitteln nicht das grandiose Hollywood nachahmen, auch wenn sie den Superstar Schweiger dafür haben. Man mag den Inhalt gar nicht erst nacherzählen, weil der Plot viel zu verworren schien, zu sehr im Stockdunklen stecken blieb, wo man mit Tricks und einigen Ungereimtheiten diese Mordsstory mit knapper Not über die Strecke zu bringen versuchte. Man hat die Handlung mit ihren fetzigen Autorennen, ihren brutalen Kampf- und Schlägerszenen nicht wirklich gesehen. Die Absicht war deutlich, doch ihre Realisierung äußerst dürftig. Alles Großsprecherische, aus den Zeitungen recherchierte Material der globalen Verbrechenswelt war reingepackt in die Handlung. Die Russenmafia, der islamistische Terror, der schweinisch- korrupte Hamburger Innen-Senator. Der Schweiß und die Anstrengung der Macher war allzu gut zu erkennen, sodass gerade das vor allem nur störte. Superstar Til Schweiger hängte sich rein wie durchgeknallt, halb den Gangstern wesensverwandt, und als LKA Agent seiner Behörde aus eigenmächtigen Motiven abtrünnig; im Grunde aus einer Parallelwelt der Kriminalistik her stammend. Gut brüllte der Löwe also, doch er war nicht von Goldwyn Meyer, sondern nur aus dem Zoo der poveren ARD-Anstalt. Der Hammer der Story hing hoch, die dramatische Fallhöhe auch, doch was hat man tatsächlich gesehen? Mäßiges,. Trübes, Gewolltes, doch kaum treffende Bilder. Man verstand die Message, something is wrong und erz-faul in der Hafenstadt Hamburg. Der Rest: betroffenes Schweigen, Verlegenheit, jede Menge Klischees. Anspruch und Filmwirklichkeit klafften weit auseinander. Viel Behauptung, viel totes Redaktionspapier, wenig Erlebnis, es blieb nichts hängen außer dem, das eh jeder weiß oder schon oft gehört hat. Besonders lächerlich: Das reale Tagesschaupersonal , das die entsetzten Geiseln mimen sollte. Purer Dilettantismus, auf solche Amateurideen sollte sich der Hollywood-Profi Til Schweiger gar nie mehr einlassen. Es schadet ihm, so sehr er sich auch mühen mag, alles Brav-und bloß Gutgemeinte mit seinem berserkerischen Einsatz herauszureißen, ins echte Filmerlebnis hinüber zu retten. Es kann ihm nicht gelingen. Kurz: um einen solch gewaltigen Stoff zu gestalten, braucht man nicht nur viel Geld, sondern auch einen Regisseur vom Range Werner Herzogs, der solches schon vollbrachte. Zum Beispiel in seinem großartigen Film „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“. Darunter geht es nicht mehr, auch nicht mit Til Schweiger allein.

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