Leichen pflastern wieder seinen Weg

Aber nicht, weil er ein Rambo ist, wenn er das richtige Tatort-Drehbuch kriegt, sondern weil er ein Held ist, weil Til Schweiger einen Helden verkörpern kann. Es ist schön, dass der Mythos der aufrechten Männlichkeit mit ihm glaubhaft zurückkehren darf. Nicht sein Intellekt, sein Charakter leitet ihn. Was ist nicht schon alles an Schweiger herumgemäkelt worden, er gibt es ja selber zu, er nuschelt oft zu sehr. Inzwischen aber weiß man nicht mehr, ist das nun sein Markenzeichen oder seine Schwäche. Doch eines macht ihm gegenwärtig keiner nach, Gefühle, starke Gefühle und Leidenschaften kann er ausdrücken wie kein anderer. „Papa holt uns hier raus“, tröstet seine Frau Isabella die Tochter, die beide in Geiselhaft geraten. Die Aufgabe, die sich ihm stellt, ist freilich monströs, kaum zu erfüllen. Die Fallhöhe ist unerhört groß. Er darf seinen Kriminalkollegen nichts sagen, muss sich auf einen scheußlich brutalen Gangster und seine Forderungen einlassen. Diesem eiskalten Schreckensmenschen steht eine Überführung vom Knast in Hamburg nach Bayern bevor und Ciller ( Schweiger) muss seine Flucht ermöglichen, wenn er seine Frau und seine Tochter lebendig wieder sehen will. Wie soll er das lösen, zumal er seine Vorgesetzten zunächst nicht überreden kann, dass er den Transport begleiten darf, weil Reden ist eh noch nie das Metier des geborenen Helden gewesen. Doch er wird nicht nervös, zieht sich in sich selbst zurück und brütet, denn er weiß, er hat keine Wahl, er muss seine Liebsten befreien. Er bleibt erstaunlich ruhig, während beim Zuschauer die Spannung steigt, wie soll er das hinkriegen? Insofern sitzt die dramatische Rolle genau, auch sein Ruf ist nicht der beste, er schießt zu schnell, ist zu unvorsichtig, ja aber nicht aus mangelnder Professionalität, sondern weil er so furchtlos ist, bringt er sich stets leicht in Gefahr. Tricksen,. Lügen liegt ihm so wenig wie das Reden. Zum Glück hat er einen Freund und Partner, einen scharfsichtigen Hacker, der Cillers Verschwiegenheit allmählich zu enträtseln weiß. Auch diese Partie des Freundes passt und ist sehr gut ausgedacht. Der findige Freund und der stählerne Leib des Helden. Die moderne Erzählkunst kann ironisch sein, wie sie will, wenn sie aber versucht einen Helden zu gestalten, muss sie auf die alten und ältesten Konzepte zurückgreifen. Und am Ende geht beinah auch alles auf, die Bösewichte werden zur Strecke gebracht, doch in einem letzten Gemetzel, weil Ciller so glücklich ist, seine Liebsten gerettet zu haben, wird er unvorsichtig und seine Frau trifft eine tödliche Kugel. Die Trauer ist die größte und jetzt erwacht tatsächlich so etwas wie der archaische Rachedurst. Er würde gerne resignieren, doch der Krimi wird fortgesetzt, Ciller hat noch etwas zu erledigen. Eine grausame Rechnung steht noch offen. Wir freuen uns darauf und ärgern uns nur ein wenig, darüber, dass die große Rahmenhandlung mit der russischen Mafia, die den koksenden Innensenator Hamburgs erpresst, etwas schematisch und wieder allzu klischeehaft geraten ist. .

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