Mein Gauckgefühl

Soeben wollte ich Gaucks Sonntagsrede zur Weihnacht einschalten, da rettete mich der Fernseher vor dieser Dummheit, er war kaputt oder stellte sich kaputt. Das weiß man bei der Technik ja nie, was alles dahinter steckt. Und was würde der Gauck denn schon sagen, das weiß ich doch. Deine berufliche Fähigkeit als Redenschreiber ist doch eine öde Ausrede, ermahnte ich mich. Denn was wird er denn schon sagen, dass er die Gewalt abscheulich findet, jaja natürlich, aber er versteht sie doch überhaupt nicht. Und der „besorgte Bürger“, ein neuer Euphemismus nach Kohls „überwiegender Mehrheit der anständigen Leute“,der besorgte Bürger also wendet doch niemals Gewalt an. Diese Illusion verteidigt er tapfer. Ach, wenn der Gauck wüsste, wie gewaltbereit gerade der normale oder meinetwegen auch der besorgte Bürger in Wahrheit ist, dann müsste er unverzüglich seine Rede in den Papierkorb werfen. Dann müsste er endlich begreifen, dass die Rede nicht allein für sein nobles Image da ist, um für sich selbst ein vorbildliches Ansehen zu kreieren. Das ist doch Staats-Missbrauch der Rede. Er weiß: Die Journaille liebt sein Pathos, klar, aber wie lange noch? Besonders sein emphatischer Begriff der Freiheit erfreut jene Oberlehrer und Chefs, die diese Freiheit anderen täglich beschneiden. Natürlich aus Vernunftgründen oder nach der Räson der Ausgewogenheit. Demokratie, ein kosmetisches Theater. Denn der normale Bürger verlangt nach keiner Freiheit, nach allem anderen ja, aber Freiheit ist für ihn ein Ausländerbegriff. Es sind nur ganz wenige, die die Freiheit lieben und sich nach ihrer Realisierung sehnen. Die freilich spielen eh keine Rolle, es ist nur eine kaum in ins Gewicht fallende Minderheit, die eh alles auf den Kopf gestellt sieht, statt objektiv. Ich müsste mal wieder den Rogler, den Kabarettisten treffen, fällt mir augenblicklich ein, der sich damals zur Weizsäckerzeit immer so maßlos erregte über diesen Mann. Diese pomadige Art, wie dieser Präsident immerzu seine weiße Weste in den Wind hängte, das brachte den Rogler jedes Mal in Rage. Die Politik ist doch eine sehr reale Schweinerei, immer wieder wies er darauf hin und spielte die alkoholisierten, ja alkoholkranken Bundestagsabgeordneten, die auf ihrer Heimfahr in die nächste Katastrophe ihres Ehestand nochmal ein paar Bierchen brauchten und plötzlich ihren Kummer ausschütteten.. Was würde der politische Hinterbänkler seiner Frau erzählen, er weiß schon genau, was sie hören will wieder. Nur das nächste Bier mit Cognac kann ihn vor der totalen Verzweiflung schützen. Was wird der Rogler heute zu Gauck auf der kleinen Bühne erzählen? Ich muss mal sehen, wo ich ihn finde. In den Medien haben sie ihn nie verstanden und nur weil der Dieter Hildebrand ihn schätzte, konnten sie nicht ganz an ihm vorbei, jetzt ist er wohl in ihrer Gunst ganz abgestürzt. Aber ich kenne ja die Platte selber längst, die der Gauck heute wieder aufgelegt hat. Meine Tante wird sagen, „er spricht immer so schön, ich sehe ihn immer gern“. Ich glaube an die Möglichkeiten eines Präsidenten erst, wenn dieser sich so anzieht und gibt wie der besorgte Bürger sich am liebsten selber sieht: Im Trainingsanzug, Baseballkappe und mit einem Bierchen in der Hand.Seine Emma im Hintergrund flucht und raucht eine. So müsste die naturalistisch gefakte Präsidentenrolle schon längst inszeniert werden. Aber wem sag ich das, dem Wind? Natürlich dem Wind.

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