Der Tatort aus Bayern

Manchmal wird im Tatortkrimi das Böse durch das total Kranke komplett ersetzt. So gestern wieder im bayrischen Tatort mit den zwei netten Prachtburschen Leitmayr und Nemec. Sie haben jetzt sogar eine Nachwuchskraft erhalten im Büro. Karli, einen Stift (Azubi), der herzerfrischend naiv, doch ehrgeizig und tüchtig sich anstellte, bei seiner recherchierenden Hilfsarbeit. So etwas sieht die Quote gern, kennt sie ähnliche Situationen doch gut aus dem Betrieb, wo man selbst einst das Malochen lernte.
Das liebe kranke Mädchen, das in Verdacht der schrecklichen Mordtat gerät, hat wenn überhaupt , dann ganz automatisch und unschuldig zur Mordwaffe gegriffen. Man sah, wie sie litt unter der Traumatisierung, die sie einst als kleines Mädchen erfuhr durch die Tat ihres Vaters Ruppert, der seine Frau, ihre Mutter und ihren kleinen Bruder tötete und nur sie, die zu spät am Tatort erschien, verschonte. Aus unerfindlichen, im Film wahrscheinlich aus sozialen und wohl auch sentimentalen Gründen.
Hier setzt der psychologische Unterricht im Mantel einer Krimihandlung ein. Man lernt, wie schrecklich eine Traumatisierung enden kann. Nämlich in der Wiederholung der Bluttat, nochmal in der gleichen Situation mit Ersatzopfern. Wieder wird eine Familie umgebracht, diesmal ist die fröhliche Mutter und ihr Sohn dran und auch der Vater Ruppert wird schwer verletzt, der vor 15 Jahren selbst seine Familie gemordet hat und danach eine lange Gefängnisstrafe verbüßen musste.
Also, es sieht alles wie in der Antike nach einem grausamen Schicksalsschlag aus, den man hinnehmen muss. Es dröhnt der Himmel und es dampft die alte Erde. Denn trotz aller wissenschaftlichen und psychiatrischen Aufklärung, das Leben ist eben immer wieder ein Rätsel. Das war die tiefere Botschaft, von viel Stimmung, weicher Psycho-Musik und schönen Tierbildern begleitet und und zusammen gebastelt . Aber war es denn das tierliebe schlimme und völlig traumatisierte Mädchen überhaupt? Sicher, zweifellos, sie hat den Revolver aus dem Zoo, ihrer Arbeitsstelle, entwendet. Aber war es nicht ihre Freundin, die stellvertretend für das arme Mädchen auf deren Vater Ruppert und seine neue Familie schoss? Und wieder blieb ein kleiner Junge, den Schrecken überlebend, übrig, der völlig verstört kaum sprechen konnte nach dem, was er erleben musste. Das Mädchen, seine Halbschwester, identifizierte sich sofort mit ihm und entführte ihn in eine versteckte Klause an ihre Arbeitsstelle im Münchner Zoo. Ab hier, in ihrer Fluchtunterkunft schiebt sich die Nebenhandlung mit der Freundin aus der Kampfsportszene in den Vordergrund. Man sah, wie sie, die Trainerin für das Mädchen sorgte und sogar einmal in lesbischer Liebe für sie entbrannte . (Eine sehr aktuelle, super recherchierte auf die Genderpolitik anspielende Szene, so ähnlich wird sich der Redakteur an die eigene Brust geklopft haben, vermute ich mal). Am Schluss wurde doch sie, die Freundin, als Schuldige abgeführt. Freilich, dieser Schluss hatte eine gezielte Un-Schärfe. Aber Leitmayr und Nemec waren so schockiert von der Schicksalstragödie, dass ihnen keine schulmäßige Moral aus der Geschicht‘ am End‘ noch glücken sollte. Denn wozu der ganze Psychologie-Unterricht, die ganze Tiefe, der blutige Ernst, wenn am Schluss doch nicht die kranke, sondern ihre Komplizin die Täterin war? Die Story ging nicht auf, war nicht rund genug, so wie in der antiken Tragödie doch immer. Oder? Klar wollte die lesbische Täterin helfen, ihre Liebe retten und deren Trauma durch die böse Tat auflösen. Aber war dieses Motiv nicht viel zu dick, auch ein wenig auf- und hinein geklebt in den stimmungsvollen Film mit den schönen Tierbildern und der gescheiten Lehrerin aus der psychiatrischen Wissenschaft?

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