Kahle Bäume

Die kahlen Bäume draußen sind ohne ihr Laubkleid nicht nackt. Sie erzählen eine andere Version ihrer Märchenhaftigkeit. Eine Sage des Kampfes, denke ich manchmal, dann wieder eher an einen Tanz, der nur innehält, bis der nächste Wind Äste und Stämme wieder in Bewegung bringt. Sie reden wie e aus Naturkräften entstandene Skulpturen zu mir. Sie erinnern mich in ihrer Makellosigkeit an große Kunst. Sie haben keine Geschichte, doch sie leben von der Wurzel an in ihr. Ihre Äste neigen sich himmelwärts, als antworteten sie auf eine Macht dort. Aber diese und andere Deutungen sind natürlich für die Katz, wahrscheinlich ganz unwahrscheinlich und sie kommen ja nur in Gang, damit man in der Sprachlosigkeit vor dem Wunder, das diese einfachen kahlen Bäume zweifellos sind, nicht nur darstellen, nicht austickt oder ganz ohnmächtig wird. Ich weiß doch, dieses Rätsel kann ich nie lösen, selbst wenn mir Naturwissenschaftler jede Menge Daten dazu liefern könnten. Früher haben die Dichter ihre geheimen Regeln und Botschaften in der Metaphorik der Bäume an die nächste Generation der Dichter weiter gegeben. Ich weiß nicht, ob das heute noch so ist, oder ob diese Tradition auch verschüttet wurde.
Mich faszinieren diese kahlen wie auch die belaubten Bäume immer und zwar seit Kindertagen. Sie machen mich nicht beredt, aber sie beruhigen und trösten mich. Manchmal dachte ich schon, sie sind Zeugen einer geheimen Ordnung. Daran glaube ich nicht mehr, aber ich erinnere mich gut daran und ahne dass ich mich oft nach einer solchen geheimen Ordnung wohl sehnte. Denn das was ich sehe, kann doch nicht alles sein. Die Bäume erinnern mich auch an das Wort von dem offenbaren Geheimnis. Es kann mit dem Ausdruck wörtlich nichts verstanden oder begriffen werden, wohl aber geahnt, geschaut und erträumt.
An dieser Stelle unterbricht mich wieder mein Alter Ego, was sagt er dazu? Er zündet sich eine an und lacht: Oh Mann, diese Probleme möcht ich nicht haben. Dann hustet er noch.

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