Fernando Pessoa – Dichter aus Lissabon

»Im Buch der Unruhe« von Fernando Pessoa schreibt er einmal über die Eindrücke seiner Seele :“ Ich verwandle sie in müßige Wörter, die mich im Stich lassen, sobald ich sie niederschreibe, und von mir unabhängig über Hänge und Rasenflächen von Bildern über Alleen vom Begriffen, über Hohlwege von Verwirrungen irren. Das dient mir zu nichts, denn mir dient nichts zu Etwas. „ Das Mysterium des Schreibens, wenn sich die Wörter vom schreibenden Ehrgeiz, von den Zwängen des Alltags losreißen und sich selbständig auf eine Reise begeben; – ob der Schreiber mitkommt oder nicht, kümmert die Wörter in ihrem Müßiggang dabei nicht die Bohne. Sie sind frei, sie können fliegen, singen und tanzen, dann verharren sie wieder und dennoch spricht der Dichter Pessoa von einem Irrgang, die Wörter gehen in die Irre. Wohin auch sonst, wer wüsste bei Lichte ein anderes Ziel? Von daher erschließt sich sein Wort: „Die Literatur ist die angenehmste Art, das Leben zu ignorieren.“ Das ist mit Absicht zuviel gesagt zu weit gesprungen. Keine genaue Auskunft, eher eine verblüffende Ausrede die ihm angenehmerweise niemand verübeln kann.
Im Buch der Unruhe geht es nämlich nur um das Leben, um des Dichters Leben, das zugleich nicht allein das seine ist. Es geht uns, die Leser, fast immer genau soviel an wie ihn. Es sei denn wir läsen zu schlecht, zu oberflächlich. Mit Ignoranz ist hier auch nicht nur Flucht oder Verdrängung gemeint. Das Ignorieren als reine Verneinung bedeutet eine Abwendung vom Wissen über die Welt, vom gewöhnlichen Brauchtum der Lebensart. In dieser Abwendung verdunkelt er zugleich die Zuwendung, seine Entschlossenheit den Schmerz des einsamen Lebens aufzunehmen, zu erdenken und erforschen . Das stimmt ihn oft traurig, manchmal aber flammt die Freude auf, am Fantasieren, am Träumen, am Schreiben. So auch hier, wenn er verwundert wie nur irgendein Welten- Kind den Wörtern folgt über ihre Hänge, Rasenflächen, Alleen und Hohlwege. Vortreffliche Bilder. Freilich für nichts, nicht zu etwas. Der Dichter philosophiert wie im Traum.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s