Robert Musil-Meister der Distanz

Aber er war noch mehr, er war ein Vorläufer des absurden Theaters. Als die Deutschnationalen zu seiner Zeit ständig die Frage aufwarfen: warum erscheint der Mensch nicht mehr als ganzer, nimmt nicht mehr als Ganzer Stellung zur Welt als ganzer? Ähnlich denen, die heute permanent von Ganzheitlichkeit schwatzen. Musil ließ darauf seine Hauptfigur Ulrich aus dem „Mann ohne Eigenschaften“, antworten: „Das gibt es nicht mehr. Du brauchst nur in eine Zeitung hineinzusehen. Sie ist von einer unermesslichen Undurchsichtigkeit erfüllt. Da ist die Rede von so vielen Dingen, dass es das Denkvermögen eines Leibniz überschritte. Aber man merkt es nicht einmal; man ist anders geworden. Es steht nicht mehr ein ganzer Mensch einer ganzen Welt gegenüber, sondern ein menschliches Etwas bewegt sich in einer allgemeinen Nährflüssigkeit.“
Die Gesellschaft, die Öffentlichkeit als Nährflüssigkeit. Eine Soße von wahr, schrill und total falsch, von Jungspunt- Geschwafel und Greisengemurmel, mit Sex und Theologie, Gesundheits-Diskurs und irrer Wanderschaft. ( „Rauchen ist ungesund, Kaffeetrinken nicht“.)Es ist alles eins, aber zerbrochen, zersplittert, nicht ganz, nichts Heiles. Ein Brei mehr, ein trübes Gesöff. Doch hör ich den anderen zu, dann schwärmen sie unaufhörlich von Transparenz. Wieso denn bloß das?

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