Medien-Philosoph Precht schwadroniert

Es ist schon kurios, wenn einer aus den Medien herkommt, diesen Karriere, Ruhm, Aufstieg, also alles zu verdanken hat, wie der Medienphilosoph David Precht , um dann in einem ziemlich lapprig- langen Aufsatz die Politik zu beschuldigen, dass sie die Autonomie aufgegeben habe, um sich dem Entscheidungszwang der Medien hinzugeben. Als hätte die Politik vor dem Internetzeitalter jemals autonom handeln können. Er sagt es doch außerdem selbst, sogar in demselben Aufsatz, wo er hier die Anklage führt, die Bundesrepublik sei im kalten Krieg außenpolitisch nur den Amerikanern nachgelaufen, habe selbst nie Außenpolitik gestalten dürfen.
Doch Precht .stellt sich das ganze eh sehr kindlich vor, auch in der Sache mit dem Terror rührt er alles zusammen, was jemals Terror war und hieß, um dann zu keinem Schluss zu kommen, sondern allenfalls zu solch lauer These: ja mit dem Terror müsse man halt leben wie mit Verkehrsunfällen und anderen Unglückstatsachen auch.
Es ist unfassbar naiv, was uns dieser Andre Rieu der Medienphilosophie alles verzapft, natürlich in der ZEIT, an staubtrockenem Ort und natürlich in einer Mediensprache, die schon an sich völlig ungeeignet ist für die harten Themen, an denen er sich Hand und Mund verbrennt. Er merkt natürlich nichts davon, er ist noch ganz berauscht davon, dass sein Medien-Ruhm es ihm erlaubt, seine schlichten Oberlehrer-Meinungen in einer Aura verbreiten zu dürfen, wo einst seine großen Vorbilder sich aufgehalten haben. Wie in einer Art hall of fame. Stichproben seiner unhaltbaren Sätze gefällig? Politik und Volk vereinnahmt er gern in einem „Wir“, sozusagen in einem Aufwasch, ohne recht zu sagen, ob er auch dazu gehört oder wie? –Achtung: „Deutschland ist überfordert“, ein Land von dem er, gegen rechts gerichtet, am Ende sagen wird, dass es sich abschafft, seit langem schon und niemand wissen könne, was dieses Land eigentlich noch bedeutet. Doch er nimmt das nicht so genau, er sagt notfalls einfach: wir. Also „ wie wir in der Flüchtlingsfrage alles in Zahlen umrechnen, so folgen wir auch angesichts der Terroranschläge von Paris sofort einem altvertrauten Muster. Verantwortungsbewusste Dämonisierung könnte man es nennen.“
Er sucht hier den spektakulären Widerspruch, denn wer dämonisiert, entläuft gerade der Verantwortung, statt sie wahrzunehmen, aber er sagt ja vorsichtshalber und medienfrivol drum: „man könnte“. Er kann oder will ja jedenfalls nicht. Auch dieser kurze Trip von den Flüchtlingen zu den Terroranschlägen hat das Medientempo des Schnell Dahingesagten, Unverbindlichen und Unbegründeten, das stets wie das Unergründliche aussehen soll. Oder anderes Beispiel, wenig später kommt er zu den Datenskandalen, -natürlich, er streift so manches,-denn da kann er sein Ressentiment gegen die Amerikaner immer wieder und schier unbedacht, gebührenfrei, so dünkt es ihn, an- und unterbringen. .
„ Wer den Kontrollverlust über seine Daten hinnimmt..(..) der signalisiert , dass ihm Autonomie nicht wirklich viel bedeutet.“ Wiederum ist mit demjenigen, der solches signalisiert, ein breit gefächertes Subjekt zwischen Volk und Politik gemeint, kurz WIR. (Der Theoretiker Adorno hatte wenigstens den Mut, stets „sie“- zu sagen, wenn er sich distanzierte von allen anderen.)
Aber wieso überhaupt das „ signalisiert“, auch so ein verhuschtes Medienwort. Wem der Kontrollverlust egal ist und dem folglich auch an seiner Autonomie nichts mehr gelegen sein kann, der muss das doch nicht mehr signalisieren. Den kennt man doch. Diesen unpolitischen Typus des deutschen Michels gibt es doch schon lange. Aber natürlich: „signalisiert“ mit dem hohlen Appendix: Autonomie ihm „nicht wirklich viel bedeutet“ klingt irgendwie nach mehr, irgendwie nach Theorie, die uns Oberlehrer und Medienstar David Richard Precht in seinen künftigen Fernsehsendungen schon noch vollends beibringen wird.
Konklusion: ein Philosoph, der dieses Namens würdig ist, hätte das Geschwätz auf dem Markt zu beenden, nicht noch mit Medienfood anzureichern und fortzusetzen.

Advertisements

Wiederkehr deutscher Geschichte(n)?

Die Flüchtlingskrise oder – Problematik oder -Katastrophe- was ist es bloß genau, also da spürt man ja schon die Unruhe in der Sprache, die nichts mehr trifft. Schlicht gesagt, wir müssen neu und nochmal von Anfang an neu nachdenken. Nix Konzept, auch keine neue Theorie— nachdenken, ein schlichtes altes Wort. Es genügt. Dazu brauchen wir die alten Vordenker nicht mehr, sie stören uns nur. Auch bei dem jungen Precht ist nur die Frisur jung, sonst denkt er in alten Guru-Schlappen, tröstlich und wie ein philosophischer Homöopath, das Positive, immer das Positive im festen Blick. .
Mit dem Holocaust, so denkt man in Deutschlands Vordenkerstuben, hat sich die deutsche Nation moralisch selbst vernichtet. „Also kann ihre moralische Wiederauferstehung nur mittels eines negativen Gründungsmythos geschehen, der von der deutschen Geschichte nichts übrig lässt, als diese einzige sie auslöschende neue Gedächtnisquelle.“ Zitat Karl Heinz Bohrer, dem das schon lange nicht gefällt. Und er setzt polemisch nach: Denn da sie nicht gestorben sind, die bösen Deutschen, was tun sie? „ Sie setzen Moralismus an die Stelle der Geschichte, wollen Geschichte aufheben, um den Folgen zu entkommen. „
Geschichte aufheben, das ist auch so ein Hegelwort , das gar nicht sinnvoll sein kann, aber es klingt halt immer noch fesch in den Ohren meines Jahrganges. . Eine solche Aufhebung käme doch einer obszönen Symmetrie gleich. Der fast erreichten völligen Auslöschung des jüdischen Volkes entspricht die symbolische Auslöschung der deutschen Geschichte. So schlecht denken sie das und glauben sie das auch noch. Diese fatale Fehldeutung findet immer noch statt, sie wird in den Medien rauf und runter gebetet und scheinbar auch praktiziert, als pazifi zierende Ideologie für den „besorgten Bürger“.. . In der Politik versucht man in den viel zu großen Edelgaloschen Europas gehen zu lernen, was, wie wir sehen, ein ziemlich wackeliger schlecht durchdachter Versuch ist. Bis zur Stunde, wo sie Europa eh auf die Eurowährung reduziert haben und sich maßlos in ihren eigenen Sprachreglungen verfangen und verbissen haben. Europakete, -Anker- Schienen-Signale- schon an diesen schiefen Schiffs-und Eisenbahnmetaphern könnt ihr sie und wie sie werkeln, zwergenhaft und dürftig- gut genug erkennen.
Ich denke also, es ist höchste Zeit, die ganze deutsche Geschichte wieder zu studieren und zur Kenntnis zu nehmen und sie nicht weiterhin nur als Vorgeschichte der grauenhaften Naziherrschaft wegzuräumen und plump auszulegen. Das heißt, das philosophisch-politische Personal in den Vordenkerstuben Deutschlands sollte dringend ausgewechselt werden. Die Nation will endlich wieder frei atmen können, bevor sie ihre Ideen zu Europa allen endlich einmal verständlich und erstrebenswert darstellen kann.

Berufsjuden und Kostümjuden

Abgesehen davon, dass ich oft nicht weiß, wer welcher und welcher der andere- bei dem bloß mit Kostüm steckt meistens nicht mehr dahinter als ein verkleideter Deutscher. Das ist ein bisschen lächerlich, so wie die Nackten auf dem Theater. Wer steht schon gerne nackt auf einer Bühne herum? Exhibitionisten? Natürlich. Gut, in Kunst gehüllt mag der Schaden geringer sein, als auf den Straßen. Aber wozu die dauernde Bekennerlust?

Tatort hoch zwei – wer bin ich?

Dieser Tatort hat endlich das Niveau einer modernen Filmerzählung erreicht. Er spielte mit den Fiktionen der Tatortherstellung und war dennoch spannender als gewöhnlich.. Ulrich Tukur spielte mit seinem Echtnamen die Hauptrolle. Es fing auch wie üblich fiktiv an, er war der Tatortkommissar, doch nach der ersten Szene der Spurenermittlung wurde die Fiktion unterbrochen, der Film im Film angehalten. „Kamera aus“. Eine Art „reale“ Tatortpolizei trat auf, im Filmteam kam jemand zu Tode, vermutlich war es Mord und Tukur, der Kommissar-Darsteller steht sofort unter dringendem Tatverdacht. Da er sturzbetrunken war und sich an nichts erinnerte, am wenigsten daran, dass er Auto fuhr und den zu Tode Gekommenen, den jungen Beifahrer und Assistenten, der kurz vorher im Kasino 80 000 € gewann, am Unfallort im Stich ließ und mit dem Geld abhaute, –das alles, vor allem dass er davon nichts mehr wusste und es nicht sein konnte also, das glaubte man dem verdächtigen Tukur aufs Wort. Auch dann noch, als er ausgenüchtert und schockiert von den Unterstellungen der „realen Tatortkommissare“ in seinem Hotelzimmer das Geld fand und nicht mehr wusste, woher es kam. Die Polizei sitzt Tukur im Nacken und auch die Gangster, die wissen, dass er das Geld hat , verfolgen ihn und rücken ihm auf den Leib. Tukur erzählt der Polizei nichts davon, da er jetzt in eine paranoide Situation gekommen ist und die Polizei außerdem für ihn wie auf den Zuschauer einen tölpelhaften, inkompetenten Eindruck erweckt. Diese Tatortkommissare besitzen nicht eine Spur von Glamour oder Stardust, wie sonst, die Tatorthelden. Nein, sie wirken trocken und hundsgewöhnlich wie die alltägliche Realität wie bei Aktenzeichen XY mit Rudi Cerne. Doch jetzt wird auf komödiantische Weise aufgeräumt hinter den Kulissen. Die Marotten, der Neid, die Allüren und Wichtigtuerei der Schauspieler, also die Realität scheinbar, hinter den Fiktionen, kommt brühwarm zum Vorschein. Die Charakter-Schwächen der Mimen, auch der Regisseure und anderer Mitglieder des Filmteams bilden das reale Unterfutter der Fiktionen, das nun streckenweise die Handlung dominiert. Wir geraten in das Labyrinth von Schein und Sein. Von Echtheit und Pose. Auch Martin Wuttke, der ehemalige Kommissar aus dem Leipziger Tatort tritt mit Echtnamen auf und zeigt sich von der schäbigsten Seite, die auch nur fiktiv und nicht ganz seine eigene sein kann, doch die eines realen Typus, den er glänzend darstellt. Damit zeigt er nebenher, dass wesentlich mehr Verwandlungs-Potential in ihm steckt, als er uns in dem gewöhnlichen Fernsehtatort als Kommissar Quoten-Star nur präsentieren darf. Ach, es gibt noch viele Seitenhiebe auf die Zurückgebliebenheit der Schauspielkunst im Fernsehen und wie wenig innovativ man dort ist und denkt, wegen der hündischen Anbiederung an die Quote. Es war ein Übertatort, ein Tatort als Reflexion auf alle Tatorte. Die Romantiker hatten diese Illusionsdurchbrechung, dieses ironische Spiel der Fiktionen einst bei Shakespeare gelernt und als erste auf der deutschen Bühne und in der Prosa durchexerziert. Schön und kaum zu glauben, dass der hessische Sender daran anknüpfen durfte und die üblichen Handelsware Tatort auf dieses Niveau hochhieven konnte. Ein Schauspielerfest dieser Tatort, mit enormer Spannung, denn man fahndete als Zuschauer ständig in den Fiktionen herum, wer diese Intrige wohl gegen den bis zuletzt schier unschuldig erscheinenden Ulrich Tukur gesponnen haben mochte; zumal seine Filmkollegen sich teils fies, teils kleinkariert oder nicht gerade nobel ihm gegenüber benahmen. Ganz am Schluss aber wird klar, dass der Mord keiner war, sondern ein Verkehrsunfall, der dadurch zustande kann, dass der Schauspieler Tukur durch unmäßigen Alkoholkonsum einen sog. Filmriss erlitt. Der gewissermaßen reale Tatortkommissar im Film, der kein Star sein durfte, und der Tukur den ganzen Film lang drangsalierte und nicht aus den Augen ließ, kam am Schluss in den sonnigen kahlen Verhörraum herein und bat den großen Schauspieler Ulrich Tukur um ein Autogramm für seine Nichte Beatrice. Eine letzte Pointe. Jetzt darf man gespannt sein, was die Quote will, ob sie murrt oder ob sie mitzieht bei dieser geistreichen Spielart, das Format Tatort endlich weiter zu entwickeln.

Der andere in mir und ich

So sehr meine Stimmungen wechseln, meine Blickwinkel sich ändern, irgendein verborgener Glaubenszwang hält mich am Deuten, Beobachten, Vergleichen, Werten. Auch und gerade, wenn ich mir bewusst bin, dass all diese Tätigkeiten nur vorläufige Ergebnisse, die mehr oder weniger zutreffen, hervorbringen. Ergebnisse, die ich morgen vielleicht schon wieder über Bord werfe. Dennoch Irrtümer wie auch die länger schon erworbenen Einsichten hält ein Band zusammen, ein Grund oder eine Vorstellung, die ich nicht genau genug beschreiben kann. Die etwas Vages haben, und mich doch wie ein konkretes aber verborgenes Motiv im Dasein halten, insofern mich dieses nicht allein zur Introspektion meines geistigen Handelns, sondern auch zur fortwährenden Aufmerksamkeit gegenüber Welt und Umwelt antreibt. Was geht es mich denn an, was außerhalb von mir, weiter oder näher entfernt, geschieht? An Wunderbarem, an Schrecklichem? Ich will das nicht unbedingt wahrnehmen, dasjenige, welches in mir etwas will, und unwillkürlich in Bewegung setzt. Ich möchte mich oft von allem, von mir wie der Welt abwenden. Doch der fremde Wille – das ist natürlich nur ein Hilfsbegriff, mit dem ich mich vorläufig begnügen muss,- etwas Fremdes, mir nicht Bekanntes in mir setzt sich durch. Die Frage, warum merken die offiziellen oder prominenten Sprecher nicht, dass, was sie sagen wollen, sprachlich gar nicht gedeckt, niemals sagbar ist. Weil es nur Meinung ist. Warum stellt sie sich mir, diese gespenstige Wirklichkeit, stets neu in den Weg? Ich will den anderen doch nicht am Zeug flicken, ich verstehe doch ihre Motive, es ist nur der Befehl, die Ausrede: ich will nur das Zeug wegräumen. Das will ich natürlich schon. Eine Sisyphos-Arbeit der Hoffnung, dass die Sicht klarer wird, wenn Masken und Verstellungen von der Bühne verschwinden. Vermutlich eine trügerische Vorstellung, denke ich dann wieder. .
Denn Kritik des Meinungsmäßigen, sprachlich Irren und Unmöglichen kommt nur sehr allmählich an ein Ufer, von dem aus sie ihre vergangenen Kämpfe, Einsprüche und Negationen zwar als einheitliche Blickrichtung nachempfinden kann, aber nicht als Gewissheit bzw. sicheren Orientierung im Leben erfassen kann. Eher als Gefühl, etwas zwischen Evidenz und Übertreibung. Ich sitze so zwischen den Stühlen derer, die sich von ihren dürftigen Meinungen leiten lassen und jenen Kritikern, die alsbald zu Erträgen kommen und zu ihren Predigten und Weisheitslehren übergehen. Sie wenden nun fürs Leben mit den anderen an, was sie ihre Kritik seit langem zu glauben gelehrt hat. Für mich sind Ergebnisse meiner Kritik aber nicht fest gegründet genug, solange ich die Voraussetzungen, die sie konstituierten-.also biografische und historische Einflüsse etc. nicht klar genug erkennen kann. Manchmal denke ich, dass ich gegen eine Wand der Epoche anrenne, deren Bann ich nicht entfliehen kann. Also Umrisse der Epoche zeichnen, aufzeichnen lernen?

Mein Gauckgefühl

Soeben wollte ich Gaucks Sonntagsrede zur Weihnacht einschalten, da rettete mich der Fernseher vor dieser Dummheit, er war kaputt oder stellte sich kaputt. Das weiß man bei der Technik ja nie, was alles dahinter steckt. Und was würde der Gauck denn schon sagen, das weiß ich doch. Deine berufliche Fähigkeit als Redenschreiber ist doch eine öde Ausrede, ermahnte ich mich. Denn was wird er denn schon sagen, dass er die Gewalt abscheulich findet, jaja natürlich, aber er versteht sie doch überhaupt nicht. Und der „besorgte Bürger“, ein neuer Euphemismus nach Kohls „überwiegender Mehrheit der anständigen Leute“,der besorgte Bürger also wendet doch niemals Gewalt an. Diese Illusion verteidigt er tapfer. Ach, wenn der Gauck wüsste, wie gewaltbereit gerade der normale oder meinetwegen auch der besorgte Bürger in Wahrheit ist, dann müsste er unverzüglich seine Rede in den Papierkorb werfen. Dann müsste er endlich begreifen, dass die Rede nicht allein für sein nobles Image da ist, um für sich selbst ein vorbildliches Ansehen zu kreieren. Das ist doch Staats-Missbrauch der Rede. Er weiß: Die Journaille liebt sein Pathos, klar, aber wie lange noch? Besonders sein emphatischer Begriff der Freiheit erfreut jene Oberlehrer und Chefs, die diese Freiheit anderen täglich beschneiden. Natürlich aus Vernunftgründen oder nach der Räson der Ausgewogenheit. Demokratie, ein kosmetisches Theater. Denn der normale Bürger verlangt nach keiner Freiheit, nach allem anderen ja, aber Freiheit ist für ihn ein Ausländerbegriff. Es sind nur ganz wenige, die die Freiheit lieben und sich nach ihrer Realisierung sehnen. Die freilich spielen eh keine Rolle, es ist nur eine kaum in ins Gewicht fallende Minderheit, die eh alles auf den Kopf gestellt sieht, statt objektiv. Ich müsste mal wieder den Rogler, den Kabarettisten treffen, fällt mir augenblicklich ein, der sich damals zur Weizsäckerzeit immer so maßlos erregte über diesen Mann. Diese pomadige Art, wie dieser Präsident immerzu seine weiße Weste in den Wind hängte, das brachte den Rogler jedes Mal in Rage. Die Politik ist doch eine sehr reale Schweinerei, immer wieder wies er darauf hin und spielte die alkoholisierten, ja alkoholkranken Bundestagsabgeordneten, die auf ihrer Heimfahr in die nächste Katastrophe ihres Ehestand nochmal ein paar Bierchen brauchten und plötzlich ihren Kummer ausschütteten.. Was würde der politische Hinterbänkler seiner Frau erzählen, er weiß schon genau, was sie hören will wieder. Nur das nächste Bier mit Cognac kann ihn vor der totalen Verzweiflung schützen. Was wird der Rogler heute zu Gauck auf der kleinen Bühne erzählen? Ich muss mal sehen, wo ich ihn finde. In den Medien haben sie ihn nie verstanden und nur weil der Dieter Hildebrand ihn schätzte, konnten sie nicht ganz an ihm vorbei, jetzt ist er wohl in ihrer Gunst ganz abgestürzt. Aber ich kenne ja die Platte selber längst, die der Gauck heute wieder aufgelegt hat. Meine Tante wird sagen, „er spricht immer so schön, ich sehe ihn immer gern“. Ich glaube an die Möglichkeiten eines Präsidenten erst, wenn dieser sich so anzieht und gibt wie der besorgte Bürger sich am liebsten selber sieht: Im Trainingsanzug, Baseballkappe und mit einem Bierchen in der Hand.Seine Emma im Hintergrund flucht und raucht eine. So müsste die naturalistisch gefakte Präsidentenrolle schon längst inszeniert werden. Aber wem sag ich das, dem Wind? Natürlich dem Wind.

Deutsche Legende

Vor kurzer Zeit ist eine Autorität der Deutschen gestorben, wie es wenige gibt. Ich rede von Helmut Schmidt. Er war ein zweiter aktuell gefärbter Bismarck. Ein eloquenter, zugleich schweigsamer Charakter, der das Risiko politischen Handelns kannte und hoch schätzte. Er spürte seinen übernationalen Rang zu spät, sonst hätte er vielleicht doch noch die Partei gewechselt, wie der furchtlose Churchill einst. Aber die Zeit dafür war ihm ungünstig, denn in der C-Partei war vor der Wende noch zuviel katholisches Dogma und völkische Demagogie verbreitet. Das konnte einem Hanseaten nicht schmecken. Denn natürlich wiegt eine persönliche Autorität immer mehr, als eine Partei mit ihren ständigen Schwankungen und Halbherzigkeiten. An diesen scheiterte der Altkanzler auch in seiner Partei, wo man die Bedenkenträgerei und die Gesinnungsmoral seit jeher höher stellt, als seine Entschlossenheit und Bereitschaft zum Handeln. Seine Tugenden wurden grob unterschätzt und ideologisch bekämpft. Seine Partei zwang ihn ins kontemplative Fach des Schreibens und Beobachtens. Dort lag nicht seine Hauptstärke, doch konnte er dort seine Erfahrung und sein Wissen um Politik wesentlich vertiefen. Er wurde zu einem der Weisen in der Weltpolitik. Sein Rat und sein Urteil wurden überall in der Welt beachtet und geschätzt. Natürlich schadete dieser Ruhm auch seiner Eitelkeit, die nämlich dadurch sichtbarer und größer wurde. Im Beruf des Handelns wäre dieser Zug unsichtbarer geblieben. Aber es sollte nicht sein. Das Wahlvolk wendete sein Vertrauen dem Dicken aus der Pfalz zu. Das war zum letzten Mal wohl eine sehr deutsche Art in Untreue und Wurstigkeit alles Besser-Gemachte bleiben zu lassen.
Schmidt konnte den Deutschen immerhin erklären, wie Kant zu den aktuellen Dingen geurteilt hätte. Und Kant ist nicht weniger als der vernünftige Denker-Gott, dem die Deutschen die sog. , in der ganzen Welt legendär gewordene Vernunft verdanken. Ähnlich Johann Sebastian Bach, dem die Protestanten und ihr Gott das allermeiste zu verdanken haben. Bachs Musik und Kants Vernunft sind die bleibenden Markenzeichen der Deutschen, mögen diese das heute noch wissen oder nicht. Kein Mensch wird mehr von Siemens, BMW oder Daimler reden, wenn Kant und Bach noch immer die erhabensten Zeugen deutschen Geisteslebens sind.
Schmidt, hätte er noch die Zeit gehabt, wäre ihm gewiss, ganz nebenher bei einer Zigarette, auch noch ein treffendes Machtwort zu der Flüchtlingsproblematik eingefallen. Er wirkte wie ein Steuermann, der von Bord gehen musste, als das Staatschiff jetzt üble Stürme und chaotische Zustände zu erwarten hat.