Tatort Kiel (ard)

Diesmal war der Tatortkrimi zeitweise spannend,jedoch schauspielerisch schlampig gemacht. Der Zuschauer hatte den irren Täter von Anfang an im Visier. Seine Handlungen als Frauenmetzger sind in der Tat irre zu nennen, sonst jedoch war alles normal an ihm- Ein gewöhnlicher Sterblicher, der sich als schlechter Mensch fühlte, der aber doch auch ein guter Mensch sei. In dieser Selbstlüge, die ihn bedrückte, bestand schon sein ganzes Irresein. Die sentimentale Ader für Kinder, die ihn zunächst noch menschlicher erscheinen ließ, bekam freilich wieder einen Stich ins Makabre, als er das Baby seiner psychisch kranken Geliebten aus ihrem Bauch herausschnitt, sodass diese, einem Kühlschrank am Strand entsteigend, bald schon verbluten musste. Dennoch, nichts an der Rolle des Frauenmörders war annähernd so interessant, so schrecklich wie seine Taten. Man nahm ihm diese niemals ab.
Auch Milberg, der Publikumsliebling, lieferte seinen Kommissar Borowski bloß wie gehabt, sehr routiniert ab. Keine Geste, keine Nuance war anders, als man sie schon lange aus seinen unzähligen Filmrollen im Fernsehen kennt. Und das obwohl wir ihn dieses Mal als frisch Verliebten kennen lernen sollten. Doch seine Verliebtheit wirkte hölzern, unglaubhaft normal, hatte nichts Außergewöhnliches an sich, etwas an Milberg bisher nie Gesehenes. Anders das Objekt seines Begehrens, die hübsche Angebetete versprühte beinah so etwas Anmutiges wie einen Jungmädchencharme, dem Milberg außer seinen Beteuerungen, dass er sie sehr sehr liebe, nicht entsprechen konnte. Seine Heiratspläne wurden plötzlich erschüttert, als er ahnen musste, dass seine geliebte Frieda vom gesuchten Frauenmörder Kai Korthals entführt wurde. Es war für ihn plötzlich Ehrensache, dass er den Fall ganz allein, ohne seine Mitarbeiter im Krimi-Büro lösen sollte. Das fiel ihm umso leichter, als der Verbrecher in seine Wohnung eindrang und ihn mit der Pistole bedrohte. An dieser Stelle spielte Milberg seine psychologische Kompetenz als Kriminaler aus und überwältigte mit einem Trick den Schurken. Er versuchte vergeblich aus ihm herauszupressen, wo er seine geliebte Frieda gefangen halte. Jetzt wurde der gefesselte Irre und Mörder auch noch frivol, er provozierte Borowski und log, dass er Frieda gar nicht vergewaltigen musste, da sie sich ihm freiwillig hingegeben habe. Und grinste. Jetzt sah der Zuschauer in Milbergs finsterstes Gesicht, bevor er zuschlug und sich am dem Mistkerl abreagierte. Das war es, es gab noch ein paar hinzugefügt spannende Momente, einen Unfall, der Schurke entkam, Borowski fing ihn wieder ein. Aber man wusste längst, dass alles gut ausginge, Frieda gefunden und gerettet würde. Auch auf den sentimentalen Schluss war man nicht mehr scharf. Denn Milberg als Verliebter, das war eh nur die Behauptung auf seinem Rollenpapier. Aber so fragwürdig und schal der Plot inzwischen geworden war – hätte man ihn schauspielerisch anspruchsvoller und sogar ernst genommen, dann wäre daraus vielleicht ein halbwegs guter Film noch geworden… .So aber —-

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