Vor dem Kriege- Stimmungen und Sprüche

Wir haben ein Problem, die deutsche Regierung sieht sich gezwungen, ihren starken Worten Handlungen folgen zu lassen. Sie genießt das Privileg als deutsche Repräsentantin auf ihre immerzu jüngsten Geschichtswunden hinzuweisen und sich die scheinbar noch erträglichste Rolle für das Massaker auszusuchen. Sie übernimmt die technologisch modernste Aufklärung mit den Tornados. Man weiß ja, wie die Berserker des IS mit besiegten Piloten verfahren. Die Orgien ihrer Grausamkeiten kennen keine Schamgrenzen. Sie müssen ausgerottet werden, sie tun es nicht anders.
In Frankreich weht inzwischen an jedem Haus die Nationalflagge. Das „ewige Frankreich“ darf nicht untergehen, wo es in Wahrheit doch längst mitten in der Jetztzeit gelandet ist. In Amerika brüllt das Trampeltier, das der nächste Präsident werden will, schon seinen garstigen Traum ins Land. Er will den Islam ganz verbieten und vertreiben, also alle Moscheen sofort schließen. Obama aber will die mörderische Stimmung mit Geduld durchwachen. Die Stimmung schwankt noch in Amerika, indessen Marine Le Pen sich siegesgewiss fühlt. Die Software der Regierung Hollands sei überholt, das zeige die Situation jetzt jedem Franzosen. Klar: Die französischen Rechten waren schon immer kriegsbereit.
In der Bundesrepublik dagegen führen noch die Bedenkenträgerinnen und –Träger die Gespräche an. Jürgen Todenhöfer läuft zur Hochform eines Propheten auf. Seiner Vision nach haben wir das ganze Problem allein den Amerikanern zuzuschieben. Sie hätten den ganzen Terror erschaffen? Andere fordern wiederum, die Saudis endlich auf die Anklagebank zu setzen. Sie, die dicken Ölscheichs, seien die wahren Verursacher. Sie hätten den schönen märchenhaften Koran zur Kriegs-und Hinrichtungsfibel umfunktioniert und gefälscht. Sie seien die Wurzel des islamistischen Terrors in der Welt. Die Welt-Deutungen überschlagen sich zur Zeit. Der Orientkenner und Kriegsexperte Peter Scholl Latour fehlt, er ist zu früh gestorben. Er hätte uns jetzt einiges erklären können. Schade.
Dennoch: Leichte, schüttere Erleichterung ist bei uns noch spürbar, denn wir sind zwar klar dafür, auch werden wir mitmachen sogar im sog. Krieg gegen das Böse, aber es ist gut, dass wir wenigstens nicht direkt Bomben abwerfen müssen. Man erkennt, Verachtung ist nicht Hass. Wir können diesen Feind IS noch nicht genügend hassen. Wir sind noch nicht kriegsmotiviert. Unser Feuilleton hat die passende Tonart noch nicht gefunden. Wir verachten diese Schweinerei der Barbaren vollkommen. Natürlich. Vollkommen, aber man kann nicht sagen von Herzen, denn die Verachtung drängt nicht nach Ausdruck. Sie schweigt nur. Aber diese Stimmung wird nicht lange halten, bald werden wir erfahren, wie barbarisch sich der IS verteidigen will. Wie grausig er angreift, haben wir gesehen. Wie er sich verteidigt, wird noch grausiger sein. Ich kann das Bild nicht vergessen, wie die Elitesoldaten Saddam Husseins, die jetzt beim IS sind, die Tapferkeitsaufgabe bestehen mussten, einen großen, scharfen Hund in Stücke zu reißen und diese anschließend zu verspeisen. Mit dieser Sippe möchte sich kein zivilisierter Mensch bekannt machen. Genau das aber ist nun die quälende Drecks-Aufgabe der französischen und britischen Piloten und Soldaten. Denn es geht nicht mehr nur um Abwehr, sondern um Angriff auf die Sadisten, ja, um ihre Vernichtung. Man sieht, an diesem Krieg ist kein religiöser Opfer-Funke mehr erkennbar, Humanität scheint überflüssig. Es ist jetzt schon furchtbar in der Vorstellung, was auch uns noch blühen wird. Der harte gordische Knoten der Geschichte wird wieder sichtbar.

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