Glaube an Technik und Wissenschaft

Der verbreitete Glaube an die Technik ist augenscheinlich, ist evident. Er bestimmt fast jeden Lebensbereich. Der Philosoph Heidegger hat mehrmals vom Glauben an die Wissenschaft gesprochen. Denn die Wissenschaft kommt zu Ergebnissen, die sich wie von selbst erweitern und verbessern lassen. Die Mechanik und Dynamik des Fortschritts ist ihr weitgehend unreflektiertes Grundmerkmal. Sie glaubt an den Fortschritt, von dem sie getrieben ist und den sie auch selbst bewirtschaften kann. Deshalb sagt Heidegger auch: „Die Wissenschaft denkt nicht.“Sie rechnet, die Quantität ist ihr Gegenstand. Im Fortschritt dieser Geschichte ist die Technik zum Oberhaupt geworden. Sie ist nicht nur Mittel, sie ist Subjekt dieser Geschichte. Deshalb ist beispielsweise der Dozent an der Hochschule oder auch nur an einer Volkshochschule gut beraten, das technische Niveau seiner Lehrstunden zu erhöhen. Seine Lehre mit technischen Mitteln aufzurüsten. Die Besucher seiner Vorlesung sollen sagen, der Dozent habe nicht nur gut geredet, sondern alles mit Power Point und Beamer etc. unterstrichen und erwiesen, was er vorzubringen hatte. Die Technik drängt sich überall in den Vordergrund und verbessert auch das Image des Dozenten. Heidegger hätte heute keine Chance mehr, zu lehren. Wie sollte er seinen Studenten die Frage: Was heißt Denken? mit Bildern und statistischen Folien unterfüttern, oder wenigstens empfehlen oder untermalen? Ohne technische Lehrmittel, ohne Technik als praktisches Problem, denn sie schreitet ja immer noch schneller voran, fehlte ihm jede Glaubwürdigkeit. Technisches Know how und Können ersetzt oft jede weitere Kompetenz. Sollte eine solche zusätzliche Kompetenz, neben der Technik, noch eine Bedeutung verlangen, so kann diese doch niemals eine Souveränität über die Technik in Anspruch nehmen. Der Dozent, der heute unplugged, nur mit einem Buch bewaffnet, in einem Seminar erschiene, sähe aus wie ein Bettelstudent, wie ein schrulliger Mitbürger aus einer vergangenen Zeit. Wahrscheinlich weiß er noch nicht einmal, wie ein smartphone funktioniert. Zum Lachen. Das heißt, es fehlt ihm jede zeitgemäße Ausstrahlung, jedes Markenzeichen des aktuellen Lebens. Er hängt natürlich am Sozialstaat, der ihm ein Almosen zum Überleben nicht verweigern wird, solange er nicht revoltiert oder straffällig wird

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