Der Tatort – „Spielverderber“

Im Tatort, der Hausmannskost des ersten deutschen Fernsehens (ARD), werden wir gewöhnlich jäh zu Beginn mit dem Opfer eines Gewaltverbrechens konfrontiert. Diesmal steht Frau Lindholm, die Kommissarin, erst etwas später vor dem Rätsel der Leiche. Diese hübsche Lore sehen wir, kurz vor ihrer Ermordung, noch quick lebendig, in einer lasziv-erotischen Szene. Doch ihr Lover Paul ist ein grober Kerl, küsst und berührt sie plump und ungelenk, sie stößt ihn weg. Erst am nächsten Tag entdeckt ihr Exgatte, Jan Kröger, ein bulliger Bundeswehrpilot, der schwer geschädigt ist durch seine traumatischen Einsätze in Afghanistan und Mali, seine tote Exfrau. Er wollte endlich seine Habseligkeiten abholen bei ihr, in ihrem einsamen Haus in einer nebligen Gegend. Natürlich, da hat ein traumatisierter Soldat seine Frau tot geschlagen? Aber das war nur ein Schlenker in die politische Aktualität, der auf keine weitere Spur führen sollte. Aber wir wissen jetzt wo wir sind, nämlich in einer Pilotenszene der Bundeswehr. Lores Lover Paul ist unbeliebt unter seinen Kameraden am Standort der Fliegereinsätze. Sie sehen seine Hobby-Malerei als seine Macke an, aber auch dies ist nur ein blindes, folgenloses Motiv. Doch er ist natürlich als Erster verdächtig, nachdem Frau Lindholm den störrischen Jan Kröger, Exmann der Toten, vernommen hat. Er, Kröger war es nicht, aber er ist verstockt, misstraut der Polizei grundsätzlich, und sagt der Frau Lindholm, die ihn aufgrund ihrer Frauenpower keineswegs fürchtet, nur nach und nach, wieso er in das Haus kam und dabei seine ermordete Exfrau entdeckte. Der Lover Paul Goebel ist zunächst unauffindbar und noch ein dritter Pilot gerät aus dem gesellschaftlichen Nichts in Verdacht, (Steinmann). Doch dieser Kamerad hat zwar handfeste Probleme, er verzockt sein ganzes Geld, und seine mollige Frau macht ihm deshalb eine drastische Szene, doch das war‘s. Nein, er kann‘s nicht gewesen sein. Frau Lindholm, die sehr viel an dem Flughafenstandort der Bundeswehr herum fahndet, nimmt sich auch Frau Goebel vor, die anscheinend nichts weiß von dem Seitensprung ihres Mannes Paul. Frau Lindholm hat nicht wie üblich einen Assistentin, einen zweiten Mann an ihrer Seite, dafür nervt sie ein knorriger Pedant von Staatsanwalt, gegen dessen strenge Vorschriften sie andauernd verstößt. Aber daraus wird leider auch keine Komödie, nur sauertöpfischer Realismus. Jaja, so humorlos und kleinkariert kann sich jeder einen normalen deutschen Staatsanwalt vorstellen. Aber wozu? Warum gibt ihm Regisseur Helmut Schön nicht einen irgendwie interessanteren Touch. Nein, im Detail ist dieser Tatort filmischer Pfusch. Auch in der Sprache beliebig und unpräzise. Denn wie kann man denn die edle Maria Furtwängler (Lindholm), kreischen lassen: „ich reiß mir hier den Arsch auf.“ Sie malocht doch nicht am Bau. Sie ist zart, feingliederig, denkt viel nach, hat zu Hause ein Kind, grübelt bis in die Nacht. Sie redet doch nicht wie eine Prollfrau vom derben Schlage der Frau Steinmann. Handwerklich viel schöner dagegen ist die kurze erotische Szene, in der sich die Lindholm spontan in den Chef der Pilotenstation, -ein sehr vitaler, kräftiger Sports-Typ – verliebt. Wie sie da sich unverhofft verführen lässt, in sich hineinlacht, bevor sie sich küssen, – da überzeugt sie durch Natürlichkeit. Ihr aufgesetztes, intellektuelles Image, das man ihr sonst wie ein schickes Designerhemd überziehen will, wirkt hingegen immer etwas bemüht, posiert und künstlich. Und ausgesprochen fatal ist es, wenn die Lindholm die Waffe zieht. Nein, das ist ein miserabler Witz, denn es soll ja ernst, keine Parodie oder Satire sein. . Wenn der Regisseur es nicht besser weiß, dann müsste er eben einen Waffenkundigen als Berater herbei ziehen. Sonst versteht man ja, wer sie sein will, die Kommissarin Furtwängler, aber man ahnt kaum, wer sie in der Rolle wirklich ist. Aber gebongt, ich sagte ja anfangs, Krimi ist Hausmannskost. Er ist wie ein Topf, in den man alles mögliche hineinstopfen kann: Motive traumatisierter Soldaten, häusliche Ehe-Missstände, erotische Szenen, die Seelenhaftigkeit Maria Furtwänglers und einen stinknormalen öden Staatsanwalt usw. Also wie geht die Sache aus? Welche Pointe aus dem mühsam zusammen geflickten Plot erlöst uns am Ende der Spannung? Wer hat die hübsche, leicht angedeutete nymphomane Natur der Lore ermordet? Es ist Frau Goebel, die betrogene Ehefrau Pauls, der Frau Lindholm erst ganz am Schluss und wie zufällig auf die Spur kommt. Der Zuschauer kann sie lange nicht erraten. Der Titel des Tatorts: „Spielverderber“ ist bis zum Ende nicht zu enträtseln, als die Schuldige, -finale Sensation,- aus dem Flugzeug in die Tiefe springt.

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