Nationalliteratur- wozu noch?

Julia Abel (40) ist Literaturwissenschaftlerin und Lehrbeauftragte an der Bergischen Universität Wuppertal für Allgemeine Literaturwissenschaft und Neuere deutsche Literaturgeschichte. Julia Abel behauptet, die Nationalliteratur sei eine obsolete Konstruktion, die hinfällig geworden ist. Heute haben wir es durch unsere Migranten, die sog. Literatur schreiben, mit einer Interkultur, bzw. einer Transkultur zu tun, sagt sie: „ Konzepte der Interkulturalität (ein anderes wäre das der Transkulturalität), werden in der modernen, heutigen Zeit in Anschlag gebracht, in der wir durch Globalisierung und Emigrationsbewegung veränderte Gesellschaften haben.“
Das ist nett geplaudert, sie redet mitten „in der modernen, heutigen Zeit“ in locker gefügten Sätzen, die sie „in Anschlag“ bringt. Wie dieser „Begriff läuft“ wie die angesagten Termini ihre Klamotten wechseln bei ihr, das ist Medienspeech, weniger Deutsch. Natürlich hat die deutsche Nation literarische Quellen und Ursprünge, man kann sie nicht einfach vergessen oder unter solch schwammige Begriffe wie „Interkultur“ mengen. Schließlich die verräterische Pointe: „Wenn wir von Nationalliteratur sprechen und dieses Konzept verwenden, dann handeln wir uns bestimmte Probleme ein, die mit seiner Geschichte zu tun haben.“- Ich ahnte, sie verspricht sich noch. That’s it, wollen wir uns das antun? Probleme, die wir doch heute günstig entsorgen könnten via Interkultur, Transkultur, womöglich auch noch per Transgenderkultur. Ja, ganz simpel will sie sich’s richten, die gute, folgsame Julia. Im Wellnessbad der Redseligkeiten. Dabei versäumt sie es nicht, uns mitzuteilen,wer alles mit Namen unter diesen Begriffen jüngst erst ganz berühmt geworden ist. Wolfgang Welsch und Mark Terkessidis etwa. Sie kennt das Ranking, bei dem auch sie hoch hinauf will.

Der Dichter Feridun Zaimoglu, der Deutschtürke, ist ihr Liebling, Paradebeispiel für Transkultur, besser wäre zu sagen Medienkultur. Nun will es die objektive Ironie, dass dieser Zaimoglu sich ausgerechnet an einem Erbschatz der deutschen Nationalliteratur vergriffen hat und ein Stück über die Nibelungen auf die Bühne brachte. Man kann sagen, er hat das gemacht wie mancher Deutsche dazu auch fähig gewesen wäre. Aber Literatur, Poesie? Nein, eher Rohstoff, Fleischliches von heute. Diese etwas fäkalische und pornomäßige Comedyshow mit Siegfried, Kriemhild, Brunhild, Hagen usw. ist nicht sehr geistreich. – Der Unterschied zu Monty Python: diese Truppe schiebt ihre Satiren auf alte Mythen uns zu, uns Heutigen. Wir sind gemeint und so zu doof in der Mehrzahl, die alten Sagen nicht anders mehr zu verstehen als eben in den lustigen Gestalten dieser Satirikertruppe. Satire ist nicht so einfach wie ihre Wirkung oft groß. Der Deutschtürke aber prügelt nur auf der alten Sage herum, die er nicht von Grund auf versteht.
Nein, die Nationalliteratur verschwindet nicht, auch wenn man sie vorübergehend verdrängen kann. Wenn ich mit italienischen oder französischen Literaten rede, dann betonen sie immer das spezifische, der Philosophie benachbarte Wesen der deutschen Poesie. Davon wollen die jüngeren Zeitgenossen, die gerne mittels der Linguisitik oder der Psychoanalyse ihre Gescheitheiten auftanken lassen, nichts wissen. Wie der Theaterbetrieb hält auch die Germanistik nicht mehr viel von dem Vorrecht des originalen Textes. Der wird nicht mehr überschätzt, sondern von einem Haufen Sekundärliteratur überfrachtet. So integriert und schoppt man erfolgreich wie die Julia Abel alles Erzalte noch in das Mediengerede von heute. .

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