Die Unvernünftigen sterben bald aus

Peter Handke schrieb einmal ein Stück mit demselben Titel. Jetzt sind wir gleich so weit. 96 % der zivilisierten Bürgergesellschaft sehen heute schon ein: Man soll keine Haare in der Suppe des Nachbarn suchen, sondern die Dinge nehmen, wie sie halt kommen und gehen, denn Unbehagen oder gar Pessimismus zu verbreiten, das gehört sich nicht, weist nur auf Probleme hin, die der Krittler damit vertuschen will. Überhaupt wozu noch Kritik, wo die Technik zunehmend alle Defizite und negative Erscheinungen aus dem Weg räumt. Wende dich lieber den schönen Dingen zu, mein Gesellschaftsfreund, dem Klimaschutz, der Pflege der gesunden Natur in und außerhalb von dir, der Gesundheit im allgemeinen , den vielen Wohlfühlbereichen, die es heutzutage zu errichten gilt und überhaupt, man weiß doch, was ich meine. Seit wir in dem neuen Konsens leben, in dem es uns allen gut geht, wo wir Tag und Nacht betreut und beraten werden, wo und wohin wir auch gehen, sind die harten Zeiten wirklich vorbei. Niemand stirbt mehr an Hunger, niemand im Kindbettfieber, schwerste Krankheiten sind morgen schon heilbar. Freilich wirken die alten Zeiten noch immer nach und betrüben noch manche Gemüter der Unbelehrbarkeit und des mit Akribie gepflegten Unglücklichseins. So beklagen noch heute manche Menschen den Umstand, dass jeder ein Bankkonto braucht, denn andernfalls wird er nicht verkehrsfähig sein in der mobilen Bürgergesellschaft. Das ist doch ganz klar. Auch dass jeder Müllgebühren und Gebühren für Massemedien zu entrichten hat, fällt einigen noch immer schwer aufs Gerechtigkeitsfeeling. Denn mancher nutzt weder ein Massenmedium, noch verursacht er den geringsten Müll, sagen sie, wozu also wird er zur Kasse gebeten? Diese Nörgler und Nörglerinnen kapieren den symbolischen Sinn eines Solidarbeitrags nicht. Sie wollen partout nicht zu denen gehören, die natürlicher Weise diese Dienste brauchen, die jene jedoch störrisch und eigenbrötlerisch verweigern, weil sie auf ihren Extrawürsten bestehen und damit irgendjemand- ich weiß nicht wem?- imponieren wollen. Sie haben nichts Besseres zu tun, sie wollen den anderen auf die Nerven fallen mit ihren Klagen, weil es ihnen an Persönlichkeitsprofilen mangelt, die es freilich heute schon an jeder Ecke zu kaufen gibt. Manchmal habe ich den Eindruck: Sie sind den Rauchern geistig verwandt, die auch dafür anerkannt werden wollen, dass sie sich öffentlich zum Selbstnord bekennen und damit schreckliche Vorbilder für unsere Kinder und Jugendlichen abgeben. Aber keine Bange, wir werden es alle noch erleben, die Unvernünftigen sterben bald aus.

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