Sprachreinigung- bloß wie?

Man vergleiche einmal die wüsten, mordstollen Reden der kleinsten Figuren und Proleten in den Dramen Ödon v.Horvaths mit den Äußerungen und Meinungen, die ein Alexander Kluge den kleinen Leuten, den Feuerwehrmännern und Marktfrauen für seine Filme ablauscht, dann wird klar, dass auch das scheinbar „authentische“ Dokumaterial jederzeit zu manipulieren und zu lenken ist; und erst die unmerkliche Regie dem Material zu literarischem Wert verhilft. Einmal in Richtung Unheil und Untergang, das andere Mal zu Reformwürden und liberalem Fortschrittsglauben.

Die Dichter sollten sich nicht länger in der Sprache der anderen, der Sprechohnmächtigeren, verbergen, um ihre Gesinnung nur indirekt auszudrücken. Natürlich tun sie das nur, um überhaupt eine gewisse Popularität zu erlangen und gehört zu werden, denn, so denken sie, ihre kunstvolle Sprache will und kann wohl niemand mehr hören. Zu anstrengend, zu hochbegabt, zu tieftönig. Für wen? Doch was hilft‘s, vielleicht ist ja auch eine Mischung oder ein Kontrast denkbar wie zwischen der satirischen Schärfe und Rhetorik des Nörglers und dem Pallawatsch der Barbaren auf der Wiener Ringstraße anno 14-18, zu Beginn des blutigen Säkulums? Denn heute kommen ja noch die Medien dazu, die sowohl die Volks-und Umgangssprache, als auch das Hochdeutsche vollkommen verwaschen und verdampfen, dumpf und trübe machen.

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