Maschinen und Hundsmetaphern

Ich hab‘s ja hier schon öfter beklagt, heute am Tag des hl. Geistes mag es auf fruchtbareren Boden fallen, denn dieses Funktionieren/Müssen in allen Bereichen ist eine Krankheit zum Tode. Ehen, Mannschaften, Karieren, Beziehungen, selbst Lustspiele – alles, alle müssen funktionieren, sonst werden Kündigungen, Absagen, Beschwerden, Rausschmisse, Untaten, Kräche fällig. Ãœberall, denn sonst entfärben sich die grünen Bereiche, die trockensten Tücher werden wieder nass und auch die Augenhöhen schrumpfen zusammen. Für immer.
Wer sich nicht in längere Aufenthalte bei möglichst alten Büchern rettet, steht in Gefahr, sich anzustecken bei der Wörterpest, bei dem um sich schlagenden Sprachgebrauch. Kein Friseur mehr, der nicht mindestens hair-stylist sein möchte. In der Folge wird sein Denkvermögen angegriffen, seine Fähigkeiten, den Dingen möglichst treffende Namen zu geben, verschwinden über Nacht. Seine Highlights lassen seine Höhepunkte verenden. Er verliert jeden Begriff von dem, was er schon einmal im Griff gehabt zu haben glaubt. Er driftet in einen Bedeutungsnebel ab, in dem kein Mensch mehr zu sich finden kann, dafür aber lernt jeder jetzt das Chillen. Inhalte bleiben ihm verborgen, da er sich anschickt aufzusteigen, ein Contentmanager zu werden.
Es findet eine wundersame Mutation ins Graue statt, der neue Sprachgebrauch zeigt es schon an, der Weg nach Hameln ist gut ausgeschildert. Aber noch existieren sie ja, die alten Wörter, die uns noch immer Schutz und Zuflucht vor den Blendungen der Zeit gewähren.

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