Im Jahre Null – nach den Nazis

Die journalistische Prosa Hans Habes, des Sohnes Bekessys, des von Karl Kraus geschassten, erz-üblen Revolverjournalisten, ist nicht sehr haltbar, wohl aber das ,was er zu sagen hat. Seine Anekdoten und Erfahrungen aus dem Jahre 0, also 1945, sind bemerkenswert, als er als amerikanischer Offizier zurückkehrte in die Trümmerlandschaft Deutschlands und die Aufgabe hatte, einige Zeitungen einzurichten. Habes literarische Prosa ist interessanter und noch zu entdecken, denn man hat ihm im kalten Krieg Unrecht getan. Einmal, idem man ihn aufgrund seines Abscheus vor den Kommunisten des Ostens als Reaktionär in Verruf brachte, zweitens weil man ihn in Sippenhaft nahm, für die Untaten seines Vaters noch einmal bestrafen wollte. Bei Lichte betrachtet aber sind seine Romane allemal so interessant und oft viel aufregender wie das meiste der Gruppe 47.

Seine journalistische Schreibart indes ist nicht sehr profund, seine Urteile darin jedoch schon, portraitieren kann er leider ganz schlecht, da steht er sich wohl selber im Wege, aber für mich als nach dem Kriege Geborenen sind seine Erfahrungen von Belang. Etwa der Bericht darüber, dass sie, die scheinbar geläuterten Bürger, 45 in Augsburg eine Ausstellung moderner abstrakter Kunst mit Wut und üblen Parolen stürmten oder dass sie daselbst auch Frauen, die einen Lippenstuft benutzten, in der Straßenbahn anpöbelten und diffamierten. Sie wollten keine Nazis mehr sein, doch waren sie von diesen Barbaren noch sehr deutlich geprägt.Auch Habes Gespräch mit einem General, seine Frage an ihn, ob er, nein ob sie von der Wehrmacht im Geralstab etwas von den Grausamkeiten in den KZs gewusst hätten, ist schlagend. Nein, sagte der General, „denn Hitler selbst, ja und auch Himmler selbst“ hätte ihnen doch versichert…Ja, man kannes kaum fassen, aber die Generäle hatten selbst von Hitlers und Himmlers Unmenschentum keine Ahung, obwohl sie ganz in ihrer Nähe einige Mal verkehrten und sich hätten ein Bild machen können. Sie konnten es eben nicht. Die Erziehung zum Kadavergehorsam hat den meisten von ihnen den Verstand geraubt und vergiftet. Das sieht Hans Habe deutlicher als andere und spricht es auch klar aus.Ich werde für seine Schriften einen besonderen Platz in meinen Regalen finden müssen.

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