Dramatische Kunst am Dorfbach

Josef Hofmiller gibt mir in seiner Studie zu Moliere wertvolle Hinweise für Theater und Literatur auf der Bühne. Ich habe sie zur rechten Zeit erwischt, auf ganz anderen Spuren wieder einmal, jetzt, da ich gerade an einem Szenenreigen im hiesigen Dialekt hier arbeite. Reigen zum Dorfleben, zur Umstrukturierungen des Lebens hier auch auf dem Lande. Es geht darum gewisse allzu menschliche mental verwurzelte Eigenschaften in den Charakteren zu zeigen wie: Leichtgläubigkeit, Mitläufertum, “ mir mussten halt allat folge, immer schon und wenn die Leit heit zu uns sagen, dass alles andersch werden muss, ja dann kennet mir doch it dagege sei, des lauft am Schluss ja no gege uns und mir sind dann abghängt.“ Das Zeitthema, „ der ewige Fortschritt“, der nicht aufhört alles umzukrempeln und zu beschleunigen, – schon Goethe ließ die trauliche Hütte von Philemon und Baucis im Faust II von schweren Maschinen abreißen, dieser scharfe Zeitwind muss mit der alle modernen Zeiten dennoch überdauernden mentalen Menschlichkeit verbunden werden, sonst ist alles nur flüchtiges Kabarett, salbadernder Journalismus letztlich. Mein Zugeständnis ans Publikum, das natürlich am liebsten nur lachen und sich auf die Schenkel klopfen will, besteht im Dialekt, den ich teils als überlieferten, teils als von der Zeit abgeschwächten und teils auch in der von mir erfundenen Sprechform verwende. Das Thema ist ernst und gewiss auch fürchterlich, da und dort, doch wie es daher gebracht, missverstanden und ausgelegt wird, ist komisch.
Weiter bin ich noch nicht gekommen, es fehlt eh der Schluss, das Schwerste, denn bloß einen dranpappen das habe ich schon öfter gemacht, das lasse ich dieses Mal, versuch es zu vermeiden, nahm ich mir vor, heute auf meinem täglichen Spaziergang.
Ach ja noch was, den Moliere sieht Hofmiller in seiner gesellschaftlichen Rolle als Vorläufer Voltaires, als guten genialen Schauspieler und Wander-Direktor, als Theaterdichter aber fehle ihm alles, was jenen auszeichne. Bei Moliere sei alles nur Situationskomik, er habe sich von der poetischen Form her erledigt, doch als oppositioneller negativer Geist lebe er fort und zwar durchaus bis heute.

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