Das marode Sturmgeschütz

Der Spiegel – das Magazin- ist müde, er hat keine Kräfte mehr, seine Angestellten versuchen es zwar noch, diese Woche mit einer Story, die nach Aufregung riechen und wie eine Familientragödie, ja wie eine Wagner-Intrige dampfen soll, es geht um das Haus VW und Porsche, um den Bösewicht Piech, den Ferdl, wie ihn der ehemalige Waldorfschüler und Cousin, der Porsche Wolfi, nennt. Aber leider, es geht der Story in jedem Absatz die Luft aus. Oder wie klingt denn das?
„ Piech ist sauer auf seinen Cousin. Er glaubt, dass Wolfgang Porsche gegen seine Frau Ursula intrigiert. Dass er sie am liebsten ganz aus dem Aufsichtsrat drängen will. Winterkorn unterstellt er ähnliche Ambitionen. Aber wer sich gegen seine Ursula stellt, der bekommt es mit ihm zu tun.“
Das ist Trivialliteratur, a la der Förster vom Silberwald und seine Ursula. Das glaubt doch kein Mensch, dass der Piech glaubt, der Porsche Wolfi legt sich mit seiner Ursula an. Da braucht man ja nur die Familienfotos von der strammen Ursula und dem netten Wolfi anschauen, um zu wissen, dass das nur ein dummes Märchen sein kann. Der Spiegel kann‘s nicht mehr, er weiß nicht mehr, wie man den Ruch und das Verruchte herstellt. Es klingt alles so zahnlos, so gewollt, so herbeigeredet. Der feminisierte Keim hat alle ehemaligen Mannsbilder erfasst und ihnen das Gebiss zermürbt. Es komme auch von den weichen Speisen, sagen mir gewisse Szenenbeobachter, auch das Rauchverbot und die Verfemung starker geistiger Getränke tue das Übrige. Einige Redakteure, ehemalige Haudegen sogar, seien inzwischen zu den Esoterikern übergelaufen. Auch die Umfragen in der Leserschaft seien falsch und einseitig ausgewertet worden. Deshalb wollte man ja schon die Weichmänner vom ZDF, ich glaube den Johannes Kerner und den Lanz, zu Chefredakteuren des Spiegels küren. Doch die beiden sagten ab.
Es herrscht Ratlosigkeit in der ganzen Presselandschaft , jetzt hat die Konfusion auch ganz schlimm den Spiegel erfasst.

Advertisements

8 Gedanken zu “Das marode Sturmgeschütz

  1. Soll ich ein gutes Wort für dich einlegen, Quenzel?Du würdest den Spiegel wieder provokant machen und mit deinem Stil beglücken. Aber den durchschauten sie wahrscheinlich nicht, diese Banausen.

    Gefällt mir

  2. Danke für die Blumen, Mizzi. Aber ich bin lieber Satiriker und Polemiker als Zyniker. Augstein aber war Zyniker oder sollte man genauer sagen Kyniker, ein Hund, sein Stil kalt wie eine Hundeschnauze?

    Gefällt mir

  3. Sturmgeschütz der Demokratie, auch wieder so ein Begriff über den
    es sich trefflich streiten ließe. Mich erinnert der SPIEGEL da
    mehr an die Böllerkanone eines kleinen Schützenvereins. Man ist
    den gleichen uniformeren Zwängen unterworfen und der Blick reicht
    nicht mehr über den Zaun des Schießstandes hinaus. Macht ja nichts,
    denn es wird nicht eh mehr scharf geschossen, sondern nur noch mit
    Platzpatronen versucht möglichst viel Lärm zu machen.

    Gefällt mir

  4. Kompliment für diesen trefflichen Artikel über ein Blatt, dessen Niedergang unaufhaltsam erscheint wie der Niedergang der Buddenbrooks.

    Der SPIEGEL erscheint heute wie die Auflösung seiner selbst, die Karikatur eines Blattes, das einst als Sturmgschütz der Demokratie angetreten war.

    Heute ist der der SPIEGEL so etwas der Rohrkrepierer der Demokratie – ein Blatt, das selbst den FOCUS zuweilen noch rechts überholen will.

    Die Folgen von Pleiten, Pech und Panne – einschließlich folgenreicher Fehlbesetzungen in den Führungsetagen – kann wohl zufällig erfolgt sein.

    Auf jeden Fall hatten diese gravierende Auswirkungen auf die Qualität des Journalismus dieses einstmaligen Vorzeigeblattes.

    Das Blatt mit der Feuerkraft eines maroden Sturmgschützes ist dabei, sich nach Kräften selbst zu zerlegen. Vielleicht hilft ja noch eine Story über das Sturmgewhr G36, das auch ewig daneben schiesst wie …..

    Gefällt mir

  5. ja das Blatt zerfällt, aber es wurde auch in der legendären Kampfzeit immerzu zu hoch gewertet, weil es so starke Gefühle auf sich zog und auch zu trösten hatte.
    Beispiel Kommunismus. Natürlich war man nicht dafür, aber die Torheiten des Antikommunismus ironsierte man eben sehr schick und schuf so ein juste milieu der gepflegt miteinander diskutierenden Gäste auf Sylt. Man schirmte sich ab von den provinziellen Käften (Kohl&Co)der Republik. Man trug keine Tracht, man ging gerne nackt zum Strand.Es war mehr eine ästhetische als eine politische Kraft, die dahinter steckte und feuerte.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s