Immer wieder 33 und das sog. Null-Jahr

Immer wieder suche ich nach Quellen von sprachfähigen Zeugen im dritten Reich und auch nach Zeugen, die unmittelbar nach der Befreiung von der Nazipest 1945 wach und politisch bewusst zu denken und zu schreiben vermochten. Es sind nicht sehr viele nach meinem bisherigen Eindruck. Auch über die amerikanischen Befreier, Besatzer, Eroberer wird nicht sehr genau geschrieben und gedacht. Wenig Farbe, viel schwarzweiß und jede Menge Deckweiß.
Die Situation nach dem von den Nazis inszenierten Reichstagsbrand in Berlin zum Beispiel kann man sich kaum schrecklich genug vorstellen. Doch wer von den Betroffenen konnte sie bisher schildern? Hier im Internet, als auf einem riesigen weltweiten schwarzen Brett sozusagen, kann man die Frage mit der Hoffnung auf gute Hinweise vielleicht am besten stellen.
Ich las darüber gerade einiges bei Walter Kolbenhoff in seinem Roman „Schellingstraße 48a“, der die Zeit unmittelbar nach dem 2. Krieg in München behandelt. Nach dem Reichstagbrand musste Kolbenhoff sich verstecken, denn als Redakteur der Roten Fahne wurde er von den braunen Schergen überall gesucht. Er konnte nicht in seine Wohnung zurück, wohin also, die ganze riesige Stadt wurde ihm zur Falle. Jetzt 1945 war er als Antifaschist in einer neuen von Hans Habe begründeten so  genannten „neuen Zeitung“ relativ privilegiert und erinnert sich an die Zeit, als er sich von der kommunistischen Partei, der er diente, völlig verlassen fühlte. Genauer gesagt, er erinnerte sich vielleicht noch viel später, denn das Buch wurde erst 1984 publiziert, als die Pleite des DDR Kommunismus für jeden, der überhaupt politisch denken wollte, immer deutlicher wurde.
Aber noch immer hatte der einst linientreue Leninanhänger Beißhemmungen gegenüber den Stalinisten, wie Thälmann und Ulbricht, die 1933 bereits völlig versagten und sich dem anderen Massenmörder Stalin auf Tod und Verderben verschrieben haben. Kolbenhoff glaubt zwar 1984, als er das Buch herausbrachte, nicht mehr an die Schauermärchen des Stalinismus, doch schildert er die Situation, in welcher er damals völlig ausgeliefert war und sich dem Kadavergehorsam der Partei verpflichtet fühlte, emotional ganz verklemmt und viel zu farblos. Er zitiert dann auch noch- 1984- die unerhört dämlichen Zeilen Bert Brechts, der tatsächlich schrieb und meinte: Du, Genosse, hast nur 2 Augen, die Partei aber hat davon 1000. Diese Parole gehört zu den Todünden Brechts, von denen er sich bis heute so wenig erholen kann, wie Heidegger sich vor seinen Nazidummheiten je wieder zu retten vermag.
Das Buch Kolbenhoffs enthält interessante Informationen über seine Gefangenschaft in den Lagern Amerikas, über die unmittelbaren Jahre nach dem Krieg in Deutschland und vor allem in der Münchner Redaktion, in der auch Erich Kästner eine Hauptrolle spielte. Ansonsten  wirken seine Reportagen und Berichte eher blass und von schwachem, politisch sehr gebremstem Urteil.

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Die neue Zeit- jetzt wieder

Jetzt, da die Digitalisierung wie wild um sich schlägt und zahllose Verletzte, Selbstmordkandidaten und andere Verrücktheiten fördert und fordert, ist die Zeit schon überreif geworden, sämtliche Formvorschriften der analogen Epoche über Bord zu kippen. Bericht und Kommentar sind nicht mehr säuberlich zu trennen, wozu auch, dazu fehlt jetzt jede Zeit. Auch Sekundärliteratur zu Originalschriften verfassen, welcher Unsinn, wer soll das ätzende Zeug noch lesen? Jetzt kann alles anders gemacht werden, als es so lange der dumme, ewige Usus vorschrieb. Ganz neue Wege und Methoden können ausprobiert und praktiziert werden, Hauptsache, der Spaß wächst und die Langeweile weicht. Moral wird komischer und auch deutlicher, wenn sie gezeigt wird, wie sie den aktuellen Dingen und dem Furor der Ereignisse ständig hinter läuft, immer hinterher. Die Welt ist sehr viel schneller geworden, als die Möglichkeiten, einen Reim auf sie zu finden. In den USA informieren sich die Jugendlichen schon nicht mehr über die amtlich erscheinenden Nachrichten, sondern hauptsächlich über deren Parodie in Comedys und Satiresendungen. Dort ist die Information zugleich mit deren Manipulierbarkeit gesetzt. Regeln verstehen wir schneller, wenn wir ihren Verstößen und Verletzungen nachtrauern, nachsinnen. Die Ansicht der Leute, wenn sie ihre Kopfstände versuchen und dabei immerzu scheitern und umfallen, mehrt das Mitleid mit ihnen, macht ihre Pläne bescheidener und drolliger und nähert den Menschen dem Elefanten im Zirkus an, wenn dieser versucht, über ein grobes Seil zu tapsen oder mit seinem Rüssel die große Geige zu spielen.
Wir brauchen jetzt auch keine Ganzheit mehr, keine Begriffe der Vollkommenheit, mit welchen man früher reihenweise Talente verstümmelt hat. Nolens volens natürlich. Fragmente genügen heute, mehr als Fragmente gibt es gar nicht mehr. Es muss auch kaum mehr etwas gelernt, nur gewusst werden, wie man das Wiss-und Lernbare aus den Archiven fischt und anwendet.
Es ändert sich alles, jeder kann noch einmal anfangen, ohne Not, einfach alles ausprobieren. Der Mensch wird kleiner, aber dadurch viel menschlicher, sagt man. Er war nie so groß, wie man ihn sich gerne dachte. Die klügsten Frauen wussten das immer schon, das hört man jetzt auch immerzu .

Tanzmassaker für die Bürgergesellschaft

Das bürgerliche Feuilleton der FAZ, vertreten durch die furchtlose Irene Bazinger, würdigt heute den 75 jährigen Bürgerschreck und Alt- Revoluzzer Johann Kresnik, der wieder einmal die Barbarei der realen Welt auf die Tanzbühne holte, in seiner Fassung der 120 Tage von Sodom, nach dem Maquis de Sade und Pier Paolo Pasolini. Wieder werden auf offener Bühne nackte Sexsklaven sodomisiert, gefoltert, vergewaltigt und kastriert aus Protest gegen die reale Welt, wo Kapitalisten, Klerus, Justiz und Militär nach wie vor ein namenloses Grauen anrichten, wie es hier in diesem abgebildeten Schreckenstheater von Kresnik wie schier 1 zu 1 nachgebildet wird. Das bürgerliche Publikum mag sich so bei der eigenen Lust an der Grausamkeit ertappen. Doch das gelinge nicht ganz durch die drastische Kunst, meint die Bazinger, denn man schotte sich durch die permanente Brutalität und Gewaltdarstellung vor der Erschütterung schon bald ab und es stumpfe das Publikum auch ab, wenn eine der widerlichsten Perversionsszenen etwa darin gipfele, dass ein Bischof sich von einer ordinären Puffmutter ins Gesicht furzen lasse. Doch erkenne und würdige das bürgerliche Publikum am Ende doch die hehre Absicht Kresniks, über all die Schweinereien und Sadismen nicht etwa den Vorhang des Verdrängens, sondern das grelle Blendlicht der Aufklärung walten zu lassen. Kresnik  füge  sich nicht ins System ein, er will es erledigen, schreibt die Bazinger. Das Publikum nehme bereitwillig das Leiden auf sich, das ihm Kresnik aus aufklärerischer Mission und für einen guten Zweck auferlege. „Kein einziges Buh war zu hören“, an der Berliner Volksbühne, „nur Applaus- das hätte der Regisseur sich vermutlich anders gewünscht.“ Das klingt dann doch wie Schadenfreude oder gehört diese Schlusspointe noch zur mitleidigen Würdigung Kresniks durch Frau Bazinger? Ich gestehe, ich bin mir gar nicht sicher. Doch wollte ich das Tanzmassaker natürlich nicht sehen.

Die Unvernünftigen sterben bald aus

Peter Handke schrieb einmal ein Stück mit demselben Titel. Jetzt sind wir gleich so weit. 96 % der zivilisierten Bürgergesellschaft sehen heute schon ein: Man soll keine Haare in der Suppe des Nachbarn suchen, sondern die Dinge nehmen, wie sie halt kommen und gehen, denn Unbehagen oder gar Pessimismus zu verbreiten, das gehört sich nicht, weist nur auf Probleme hin, die der Krittler damit vertuschen will. Überhaupt wozu noch Kritik, wo die Technik zunehmend alle Defizite und negative Erscheinungen aus dem Weg räumt. Wende dich lieber den schönen Dingen zu, mein Gesellschaftsfreund, dem Klimaschutz, der Pflege der gesunden Natur in und außerhalb von dir, der Gesundheit im allgemeinen , den vielen Wohlfühlbereichen, die es heutzutage zu errichten gilt und überhaupt, man weiß doch, was ich meine. Seit wir in dem neuen Konsens leben, in dem es uns allen gut geht, wo wir Tag und Nacht betreut und beraten werden, wo und wohin wir auch gehen, sind die harten Zeiten wirklich vorbei. Niemand stirbt mehr an Hunger, niemand im Kindbettfieber, schwerste Krankheiten sind morgen schon heilbar. Freilich wirken die alten Zeiten noch immer nach und betrüben noch manche Gemüter der Unbelehrbarkeit und des mit Akribie gepflegten Unglücklichseins. So beklagen noch heute manche Menschen den Umstand, dass jeder ein Bankkonto braucht, denn andernfalls wird er nicht verkehrsfähig sein in der mobilen Bürgergesellschaft. Das ist doch ganz klar. Auch dass jeder Müllgebühren und Gebühren für Massemedien zu entrichten hat, fällt einigen noch immer schwer aufs Gerechtigkeitsfeeling. Denn mancher nutzt weder ein Massenmedium, noch verursacht er den geringsten Müll, sagen sie, wozu also wird er zur Kasse gebeten? Diese Nörgler und Nörglerinnen kapieren den symbolischen Sinn eines Solidarbeitrags nicht. Sie wollen partout nicht zu denen gehören, die natürlicher Weise diese Dienste brauchen, die jene jedoch störrisch und eigenbrötlerisch verweigern, weil sie auf ihren Extrawürsten bestehen und damit irgendjemand- ich weiß nicht wem?- imponieren wollen. Sie haben nichts Besseres zu tun, sie wollen den anderen auf die Nerven fallen mit ihren Klagen, weil es ihnen an Persönlichkeitsprofilen mangelt, die es freilich heute schon an jeder Ecke zu kaufen gibt. Manchmal habe ich den Eindruck: Sie sind den Rauchern geistig verwandt, die auch dafür anerkannt werden wollen, dass sie sich öffentlich zum Selbstnord bekennen und damit schreckliche Vorbilder für unsere Kinder und Jugendlichen abgeben. Aber keine Bange, wir werden es alle noch erleben, die Unvernünftigen sterben bald aus.

Bescheidenheit und Größenwahn

landläufig sind das gegensätzliche Begriffe, nicht so in der Sekten-und Pietistenstadt Ulm. Dort ist man bescheiden bis zum Größenwahn und größenwahnsinnig aus lauter Bescheidenheit. Wie das geht? So: Nachdem man das 125 jährige Jubiläum der Münsterspitze in den Sand gesetzt hat, weil geborene Banausen ausgerechnet mit der internationalen Kunst viele und zwar ganz dicke Punkte machen wollten,- was prompt gründlich schiefging, denn die Fehlinvestition beträgT 1,8 Mui €, – war die Blamage natürlich überregional publik geworden. Normalerweise sind da rollende Köpfe fällig, wie man so nett sagt, trotz der allgegenwärtigen IS-Barbaren. Doch noch sieht es so aus, als könne man die peinliche Angelegnheit noch einmal ausputzen.
Nein,noch ist es still, geschieht nichts, die Presse ,mit der Stadtobrigkeit seit langem unter einer Decke, erfindet bereits tröstende und den Skandal vertuschende Phrasen. Und der Schultes, ein ganz unfreiwilliger Komiker, dreht sogar ein PR-und Marketing-Video, wo er den Zeigefinger hoch zum Himmel reckt: „Ja, bei aller Bescheideheit, ich schwöre, wir wollten hoch hinaus,aber doch nur, um für die Bürgerin und den Bürger endlich einen Weitblick zu gewinnen.“
Es war gut gemeint, zweifelsohne, doch doch und wie stets sehr bürgernah, leider aber ist die Sache diesmal wieder geplatzt. Pech, der Ulmer und seine Frau haben immer Pech, wenn sie bescheiden und eben insgeheim ganz hoch hinaus wollen.

Meine Meinung für alle anderen

7 FIFA-Bonzen haben sie heute früh in einem Luxushotel am Zürichsee festgenommen. Der Sepp Blatter wieder nicht dabei, wieder ist er durch eine Geheimtür der Plolizei entkommen.- Den Fußballfan wirft das nicht um, er wusste immer schon, dass die da oben, was willste da noch sagen, hör mir auf. Drecksäcke, klar. Jeder weiß überhaupt, dass die da oben überall Schweinehunde. Drum gehen die Leute doch nicht mehr wählen. Das ist doch klar, jetzt sogar die Merkel, die so lange als anständig galt, als eiserne Jungfrau aus Osten schön bescheiden, nicht besonders prickelnd die Dame, aber mit Bodenhaftung. Aber auch sie macht gemeine Sachen mit den Amis unter einer Decke, sagt nichts dagegen, dass man uns ausspäht, uns arme kleine Leute. Natürlich, wir ziehen immer die Arschkarte, egal ob in der Diktatur oder im Westen jetzt mit der Demokratie, sagen die jetzt alle im Osten. Die sind ja auch nicht ganz doof. Nicht? Was soll man machen, einfach wegschauen, abtauchen, ins private Kämmerlein ziehen wie noch bei Luther, gebt dem Kaiser was des Kaisers ist. So wird n Schuh draus. Der Kaiser ist eh nackt und lebt in Saus und Braus, mit lauter fetten Weibern um sich, die ihn bedienen und schön tun, denn die wollen auch was haben vom Leben. Luxus und Diamanten. Die Weiber sind hart im Nehmen, muss man zugeben, aber sie kennen die Währung, die zählt und auch zieht. Da kann man nichts sagen.
Die anderen da, die Volksbetrüger, die reden viel von Bildung und sozialer Gerechtigkeit, alles Lügen, bloß Ablenklung, nichts dahinter. Bin gespannt wie die 6 FIFA Lumpen wieder frei kommen, denn es glaubt doch wohl keiner, dass die im Kittchen bleiben. Irgendein Superschwein zahlt denen schon die dicken Kautionen, mach dir nichts vor, so läuft der Hase, immer schon, auch die Päpste waren oft die größten Hurenböcke, ist doch alles rausgekommen, hör mir auf, ich kenn doch die Geschichte. Da kann mir der Professor da im Fernsehen viel erzählen, der Knopp oder wie er heißt. Ne, ne mir macht keiner mehr was vor, aber ich werde deshalb nicht gleich depressiv, Leute, denn wozu denn? Das Leben ist schön und wenn dann noch die Sonne scheint.. Ne, ich gönn mir mein Vergnügen, trink mein täglich Bier und denk mir meinen Teil. Und ganz wichtig, ich gebe meine Daten niemand mehr her, die bleiben schön verschlossen unter meinem Sitz, wo ich jetzt bin und keiner weiß wo. Haha. Ich sag mir immer, bleib lustig, dann wirste auch gesund.