Unsere ruhmreichen Helden

Die Leute schimpfen immer auf die Geschichte, dass diese vorübergehe und die besten Ideale des Menschen wieder verschüttete oder eben nicht nutzen wollte, als wäre die Geschichte Subjekt des Handelns. Als walte in ihr ein verborgener finsterer Gott, der gegen einen anderen stritte, der sozusagen als Anwalt der besseren Menschheit dann oft ungerecht unterliege. Auch Atheisten glauben an solchen Hokuspokus. Andere wieder wie Helmut Kohl, Beckenbauer und Iris Berben sehen in der Geschichte eine Art höherer Heimat, in die nur die rein-gelassen werden, die sich große Verdienste in der Demokratie, im Fußball oder auch in der Mediengeschichte erwerben konnten. Manchmal denke ich, ach, das glauben die doch nicht tatsächlich, obwohl ich dann schon sehe, wie sie stets von den Tatsachen ihres Ruhmes ausgehen und dabei ganz optimistisch dreinschauen. Auch die Theaterleute reden solch ein Zeug, wie der alte Peymann neulich auf einmal meinte, Berlin die Theaterstadt habe eine große Tradition. Statt dass er sich schämte, mein Gott, wenn das der Thomas Bernhard noch hören könnte, für den er doch scheinbar immer so sehr und vehement eingetreten ist. Diese linken Traditionszerstörer von damals haben alle klammheimlich umgesattelt inzwischen. Der Ruhm und die staatlichen Privilegien haben sie fromm werden lassen. Selbst der Joschka Fischer redet jetzt nicht weiter und noch länger von Bob Dylan und der Panzer Knacker Bande bei Walt Disney, nein, er thematisiert mit brüchiger Stimme noble Dinge wie das Vermächtnis Europas oder das Ende des Posthistoire. Er tritt in der Maske des Privatgelehrten auf, dass die Haschischbrüder aus der Spontiszene ihn kaum mehr wieder erkennen. Es ging alles so schnell. Aus den 68er Flegeln, mit denen Größen wie der Theatermann Boleslaw Barlog oder der Sozialphilosoph Arnold Gehlen einst sich noch mühsam herumstreiten mussten, wurden im Handumdrehen elegante Managertypen und Toskana-Hedonisten, die heute mit einem Schmunzeln auf ihre wilden Anarchozeiten, da sie noch Mao Tse Dong nachbeteten, zurückschauen.
Sie haben alle, wie sie sagen, Geschichte gemacht und Geschichte erlebt, kein Wunder also, dass sie an den Spuk nun glauben. Ich aber kann mir nicht erklären wie sie ihre Niederlagen immerzu als Siege feiern wollen, wie sie ihr Scheitern verdrängen, statt aus ihm endlich bessere Schlüsse zu ziehen. Ich habe bei aller Gegnerschaft mehr von ihnen gehalten als sie selbst. Das war wohl mein Fehler.

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