Theatersterben

Die Theater haben Probleme noch von gestern, sie haben auch keine Konzepte mehr, sie schreien zwar immer noch: Aufklärung, Aufklärung, doch die Leute dürstet nach ganz anderem, nach Spektakel, nach Lärm und Sensation und das kann das Theater kaum bieten, vor allem das Literaturtheater nicht. Und Literatur? Mit dieser steht es ja noch übler, sie wird künstlich ernährt von Subventionsmitteln und Preisen, die meistens vor einem Greisenpublikum an blutjunge Menschen vergeben werden. Wir warten darauf, dass demnächst eine Schülerzeitung den Büchnerpreis erhalten wird. Die Eltern werden ausflippen vor Freude. Der Buchhandel Auflagen erhalten wie Charlie Hebdo nach den Morden.
Theater ist gegen die gesellschaftlichen Spaßzwänge und Neuheiten der Elektronindustrie ohnmächtig und hilflos geworden. Da können die megalomanisch-präpotenten Intendanten noch so großartige Polemiken aus ihren dicken Hälsen klotzen und sich von ihren Feuilleton Adepten loben und bejubeln lassen. Hilft nichts. Denn das gewöhnliche Volk, auf welches das Theater noch nie verzichten konnte, kennt andere Vergnügen, etwa die Internetgames, an denen man nicht nur zuschauen, sondern mitmachen und sogar gewinnen kann. Oder das Fernsehen mit seinen vielen teils unglaublich seichten Krimis, aber Krimi ist Krimi, eine solche tautologische Parole zöge im Theater überhaupt nicht. Es hat seinen Sinn verloren, solange es die Dichter nicht schaffen für die deutsche Sprache wieder mehr Aufmerksamkeit und Spannung zu erzeugen. Die Kultur-Macher haben geglaubt, sie könnten den visuellen Medien Konkurrenz bieten und bei ihnen Trittbrett fahren, das rächt sich jetzt. Das Theater ist zuerst Hörmedium, Medium der schönen Sprache und dann erst kommen die Bilder, aus und in der Sprache gezeugt und für die Bühne eigens erdacht. Stattdessen plündern sie Romane und dramatisieren deren Handlungen notdürftig. Sie spüren nicht, dass in diesen Romanen neben der dramatischen noch ganz andre Phänomene mitspielen, die diese Dramatik ermöglichen, wie sie auf dem Theater niemals zustande gebracht werden kann.
Es ist der Bildungsverfall, vor allem der literarische, der sich auf den Theatern sehr bemerkbar macht. Die Intendanten und Großkopfeten der magischen Szene können mit ihren Redeschlachten darüber nicht hinwegtäuschen. Sie meinen es gut, vor allem auch für ihre lukrativen Karrieren, wo ihre Untergebenen und Schutzbefohlenen, die Schauspieler, oft darben müssen. Sie zitieren viel Bildungsprunk von größeren Geistern, doch sie reden alles kaputt mit Parolen wie: „die Politik muss sich zur Theaterlandschaft bekennen“, wie Frau Dössel schon wieder schreibt. Vollkommener Unsinn, wenn es soweit kommt, dass die Politik schon wieder in Sphären eingreift, wo sie besser ganz wegbleibt, dann ist das Ende nah und schon eingeläutet.

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