Nachrufe zu G.Grass

Ich las gestern Abend in der Süddeutschen noch die vielen Nachrufe zu Günter Grass und bin erstaunt, wie wenig den Herrn von der Qualitätspresse zu ihrem geliebten Autor eingefallen ist. Nicht eine Sache, nicht ein Gedanke, eine Anekdote, nein nicht irgendetwas, das mir neu gewesen wäre. Sehr viel Mühe gab sich G. Knapp von der Kunstabteilung, um sorgsam zu verbergen, dass er von Grass‘ Bildender Kunst nicht allzu viel hält. Das sagte er zwar mit keinem Wort direkt, doch seine Umwege und immer wieder Rückverweise und Zufluchten zur Sinnlichkeit der Literatur des Nobelpreisträgers machten es spürbar, je länger der Artikel sich hinzog und das wenige artig und fabulös verwässerte, das überhaupt drin stand. Willi Winkler, der Mann fürs Grobe, erledigte die Sache mit Grass und der SPD und verriet uns noch, dass der Literat dem Willy Brand manchmal ganz arg auf die Nerven fiel.-
Einzig Steinfeld, der Schöngeist griff etwas stärker in das Klavier der Ewigkeiten und riskierte vollmundig ein Urteil,dessen Ornat aus lauter Unsinn bestand. Grass habe der westdeutschen Gesellschaft nach dem Krieg mit der Blechtrommel wohl den „prominentesten literarischen Ausdruck verliehen.“ Dieser Ausdruck vom „Ausdruck- verleihen“ wird sonst eher von Sparkassen-Honoratioren bemüht und häufig beliehen, und man fragt sich, warum Steinfeld hier wieder Prominenz mit der Literatur auf einen Reim zwingen will. Kann ein Ausdruck jetzt auch schon prominent sein? Ich vermute, er hat einiges durcheinander gebracht in seinem stetes gut frisierten Kopf,weil er gleich wieder eine Verbindung zu Thomas Mann herstellen musste. Nota bene, so steht es im Ratgeberbuch für Literaturkritiker: Rede von der Literatur des 20. Jahrhunderts nie ohne Thomas Mann dort in der ersten Reihe die Ehre zu erweisen. Das erhärtet auch deine Kompetenz beträchtlich. Also stellt er die Blechtrommel neben die berühmten Buddenbrooks, denn wie diese präge auch die Blechtrommel „das Bild der deutschen Literatur im zwanzigsten Jahrhundert.“ Welches Bild nur?
Es ist ermüdend, ich habe hier gleich wieder aufgehört zu lesen, denn ähnliches hörte ich doch schon tausendmal, auch bei seinem Vorgänger, dem Prof. Kaiser, der nicht nur Grass, sondern auch Beethoven meisterlich in den 7.Himmel lobte, wo auch immer er war und wo aber nicht die armen Klassiker, sondern seit langem der Andre Rieux den Ton angibt. Und ich war ganz erleichtert, dass wenigstens der Prof. Kaiser uns Leser diesmal verschonte mit seinen kongenialen Sentenzen aus dem Wortschatz aller Superlative.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Nachrufe zu G.Grass

  1. Über Prominente hat jede Redaktion die Nachrufe schon fertig auf dem Computer. Da wird nur der Schlußsatz hinzugefügt, und gut ist’s. BTW: Hat einer der Nachrufe seine Mitgliedschaft in einer gewissen, nicht eben sehr rühmlichen, militärähnlichen Organisation erwähnt, die man meist mit zwei „S“ abkürzt?

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s