Modern ist nur noch ein Jokerwort

Das Wort modern erlebt seit geraumer Zeit einen schlimmen Sündenfall. Waren die Modernen einst die Avantgardisten, die das Alte bekämpften, weil es dem Leben nicht mehr gemäß war und es überall behinderte , so ist das Wort heute jedem beliebigen Missbrauch ausgeliefert. Die Raiffeisenbank versucht gar nicht mehr die beiden Lager, die Gestrigen und die Heutigen mit der Kopula „ Und“ zu versöhnen, die Banker gehen bereits vom Sieg der Moderne aus, die man naturgemäß vereinnahmt, denn modern heißt auch und vor allem der Sieg der Banken. Deshalb singen sie auf der Spitze des Eisbergs: „Modern aus Tradition“. Eine paradoxe Formel. Und es ist wahr, die Banker kauften auch damals, beim Aufbruch der Modernen, schon deren Kunst. Modern ist bis heute der Opportunismus der Kulturellen geblieben, dem Alten und Guten die Reverenz zu erweisen, doch wenn es um ihr eigenstes Vergnügen geht, doch eher der Rockmusik als den alten Klassikern Gehör zu schenken. Diesen Spagat kriegt heute jeder und jede hin, sogar die Edelleute von und zu Guttenberg, sie weilen zur Zeit in New York.
Eigentlich ist auf das Wort modern zu verzichten, es sagt nichts mehr aus, es hat seinen oppositionellen Sinn völlig eingebüßt. Es ist ein Preisschild für neue Möbel geworden, ein Etikett für die Gesinnung, die allein nach Karrierechancen und dem Geld sich ausrichtet. Wer sich nicht anpassen will, gar Widerstand leistet gegen den politisch korrekten Irrglauben der Zeit, verhält sich unmodern, läuft Gefahr abgehängt zu werden, sämtliche Züge der Zeit zu verpassen. Dazu gehört Mut, vielleicht sogar kriminelle Energie, um zu überleben. Es wird etwas Neues entstehen daraus, jenseits der Märkte, die tapferen Griechen versuchen es gerade, sie gehen voran, ohne den Konsens mit den Biedernännern und Banken zu suchen. Sie ähneln den Avantgardisten der Moderne von einst, freilich mit diesem inzwischen korrumpierten Namen wird man nichts mehr begreifen können. Übrigens auch nicht die neueste Kunst.

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Ein Gedanke zu “Modern ist nur noch ein Jokerwort

  1. Die „neueste Kunst“ schimpft sich ja längst nicht mehr „modern“ sondern „contemporary“, mihin „zeitgenössisch“, als hoffe man, dass „modern“ nach einer Schamfrist als avangardistisch reüssieren könne. Die gehypte deutsche Kunstszene war quasi die adäquate Antwort der alten Welt, auf die Internetblase zu Anfang des Jahrtausends.

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