Helmut Dietls Begräbnis in Schwabing

Es ist oft ärgerlich, wenn die FAZ zum interessantesten Mann, zum schönsten Thema den langweiligsten Schreiberling hinschickt. Heute ist das Gegenteil geglückt, man beauftragte den Joseph von Westphalen, einen witzigen Mann, bei der Beerdigung Helmut Dietls die Augen aufzuhalten und zu berichten. Und erwartungsgemäß ließ der Ironiker sich auch bei dem traurigen Anlass nicht lumpen und fand gegen Ende dann doch noch die Stufen zu würdig-sentimental-geladener Pietät hinauf. Zuerst aber hagelte es erst einmal ein paar hübsche Pointen, denn die ganze Schickeria aus Film und Showbizz trat an: „ Senta Berger natürlich, fast schon weise lächelnd unter ihrer Sonnenbrille. Heiner Lauterbach, fast schon furchterregend markant. Uwe Ochsenknecht völlig undurchschaubar auf leisen Turnschuhsohlen. Auf Olli Dittrich, Christine Kaufmann, Jürgen Flimm und den Filmproduzenten und ehemaligen Bundespräsident-Wulff-Freund David Groenewold richten sich nur die Objektive der gebildeteren Fotografen. „
Der westphälische Joseph kennt sein Münchner Bussibussi-Völkchen, er lebt selbst darin. Es fehlten bei der letzten Gala des Toten im weißen, von weißen Blumen umrankten Sarg, nur der Mario Adorf und der Wolf Wondratschek, leider. Dann aber kam sie: „ Natürlich warten alle auf sie, auf Veronica Ferres, die Gespielin aus dem „Rossini“-Film. Und sie kommt. Leise rattern noch einmal die Auslöser der Kameras, dann verschwinden die Trauergäste in der Aussegnungshalle.“
Das schreibt er gut, angemessen feierlich, nicht zu traurig, nicht gar lustig, doch passend zu der Gesellschaft, deren wichtigstes Begehren und Daseinsmerkmal es ist, stets gesehen zu werden. Darum ist man da. Die Boulevardpresse riss sich am Riemen, blieb relativ anständig, befindet der Mann von Westphalen, auch die Politik und die Vertreter der Familie traten würdig auf die Szene. Die kleine Tochter Dietls, Serafina, patzte sogar, konnte vor Weinen nicht reüssieren und auch das passte fantastisch und rührend zugleich. Ein paar Spitzen hatte er schon noch übrig, der amüsante Reporter, doch am besten fiel wieder einmal sein letzter Satz ins Gewicht, seine Schlusspointe: „ Die Schickeria hat sich schaudernd in den Dietl-Filmen erkannt und benimmt sich nun besser.“

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