Selbst- Verrat des Dichters Stefan Hermlin

in diesen Tagen wäre der DDR-Dichter Stefan Hermlin 100 Jahre alt geworden.Er ist am Ende 1997 schlimm zum Straucheln gebracht worden, als der Germanist Corino seinen Lebenerinnerungen nachrecherierte und ihn dabei beim Fälschen und Lügen ertappte. Hermlin gab zu, ja „ich habe gelogen“ aber aus „dringenden Gründen.“ Da ich ihn gut kannte, stundenlang erzählte er auch mir aus seinem kämpferischen Kommunistenleben und von seinen ästhetischen Anschauungen und Leidenschaften, weilte ich zufällig kurz hinter den Kulissen dieser halben Skandalgeschichte. Wie es genau dazu kam und auch wie es zur Aufdeckung mancher Unwahrheiten durch Corino kam, erzähle ich an anderer Stelle und dann freilich auch in einer Mischung aus Tatsachen und Fiktion.
Soviel aber kann ich hier schon einmal zur Frage bringen:was wäre wohl mit ihm geschehen, hätten die einen, die Bundesdeutschen ihn zwingen wollen, ja nach ihrer schlichten Denkart auch wohl zwingen müssten,  sein kommunistisches Credo abzuschwären? Es war gleich nach dem Krieg 1947, als Stalin noch lebte und wütete , für den Hermlin in den 50er Jahren noch glühende und pathetische Verse schrieb. Und was wäre auf der anderen Seite denn geschehen, hätten die alten Genossen in der DDR gewusst, dass er weder am spanischen Bürgerkrieg mit kämpfte, noch Mitglied der französischen Resistance war, sondern vor den Nazis auf einem Schiff nach Palästina geflohen war. Hätte er dergestalt als Zionistenfreund enttarnt, jemals sein Dichter-Haus bekommen und später eine gute Pension als Verfolgter des Naziregimes? Seine Lyrik war zu dieser Zeit zwar noch einer hohen, – Brecht nannte sie spöttisch- „pontifikalen“ Formstrenge verplichtet, doch wer konnte sie lesen und was konnten ihm die hohen gewiss kommunistisch einwandfreien Verse einbringen, um ihm seinen Lebensunterhalt zu sichern? Nicht sehr viel. Also die Gründe für seine Lügen waren wirklich zwingend fürs Überleben, die ihm die Legendenform seiner Lebensdaten empfahlen. 1979, als die Sage seines Lebens, zwischen Bericht und schön geschriebener Parabel unter demn Titel „Abendlicht“ bei Wagenbach erschien, war das Feuilleton in Ost und West begeistert. Noch ein Dokument aus heroischer Zeit der Kämpfe zwischen Himmel und Hölle, kommunistischer Utopie und babarbarischem Faschismus, sollte den Lesern hüben und drüben vor Augen führen, dass es damals nicht so einfach war, ein äußerst guter, tadelloser Mensch zu sein, der sich eindeutig von allem bösen Faschismus abhalten und abgrenzen konnte. Und doch schien genau das geglückt im Lebenslauf des Stefan Hermlin. Er war zwar ein Freund Erich Honneckers und hielt felsenfest zum Regime der DDR, aber er konnte es sich deshalb auch leisten, gegen die Ausbürgerung Biermanns zu protestieren. Als wollte er damit sagen, wenn ihr dem Regime genügend Appllaus spendet, dann duldet es auch eure Kritik, hin und wieder. Seiner Tochter, sie war längst an sich für den diplomatischen Dienst vorgesehen, aber sie wurde auch ein Groupie von Biermann, wollte genau das nicht gelingen, drum musste auch sie nicht fliehen,doch mit Möbelwagen als persona non grata ausgebürgert werden.

Ob Hermlins Ruhm ganz verblassen wird oder nicht, wer weiß das schon auf dem längst wieder schwankenden Boden unserer, wie Guido Knopp sagt: „history“. Klaus Wagenbach, der Verleger,  sucht für seinen Autor zu retten, was geht und bringt das „Abendlicht“ gerade wieder neu heraus. Und man vergesse nicht, der Sohn Anrdrej Hermlin macht seit einiger Zeit Furore mit seiner nostalgischen Swingband, mit der er meines Wissens als Partei-Mitglied der LINKEN noch nicht in Moskau, aber in London und sogar in New York schon auftreten konnte. Also alles geht weiter, man frage sich eben nur, wie und wie lange noch ?

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2 Gedanken zu “Selbst- Verrat des Dichters Stefan Hermlin

  1. Der Schriftsteller Stephan Hermlin war ein Opportunist, der immer an der der richtigen Seite stehen wollte. Als Vertreter des Freund-Feind-Denkens leistete er sich den psychischen Komfort der für ihn unumstößlichen Gewissheit , auf der „richtigen“ Seite gegen den „richtigen“, „faschistischen“ Feind gekämpft zu haben, und aus dieser ihn beruhigenden Gewissheit sogar Hymnen auf Stalin rechtfertigte.

    Aber soviel Nähe zum Weltgeist er sich auch wünschte und so viel Nähe zu den Mächtigen in der DDR er offenkundig tatsächlich besaß, von Hermlins eigener Person ging stets eher der Eindruck einer Unnahbarkeit aus; ein Meister der Selbststilisierung und in seinen Träumen von einer Wunschbiographie immer auch ein bisschen befangen und nicht zuletzt deshalb in vielen seiner Texte epigonenhaft.

    Als „sozialistischer Grandseigneur“ hatte er an seinem bürgerlichen Literaturgeschmack festgehalten und in seiner „Abendlicht“-Prosa Stimmungen wie diese beschworen: „Und der Himmel da oben, wie ist er so weit … über den fernen Berg hinweg zog er den Blick nach oben, ließ ihn von Tiefe zu Tiefe stürzen, denn die Tiefe war nicht nur unten in den Gewässern, sie umgab mich von allen Seiten, ihr anderer Name war Stille, nirgendwo war sie tiefer als im Blau da oben…“

    Bei seinem Tod im April 1997 rief man ihm nach, er sei „der letzte Kommunist“ des 20. Jahrhunderts gewesen, wenn allerdings nur noch als „literarisierte Erscheinung“. Den Untergang der DDR erlebte er als Trauma. Wie schwer Hermlin das Wendejahr 1989 getroffen hatte und wie sehr er den Untergang der DDR als Scheitern seines persönlichen Lebens empfand, gab er kurz vor seinem Tod auch zu.

    Da blieb ihm nur der Rückzug in die Grundposition, „dass die Menschen aufhören müssen, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu betreiben oder zu fördern, dass sie die Verpflichtung haben, eine solidarische Gemeinschaft aufzubauen, in der nicht mehr der eine den anderen beherrschen kann.“

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  2. natürlich war er ein Epigone, das Wort verliert aber seinen schimpflichen Charakter, wenn man sieht, was inzwischen sonst so herumkreucht und literarischen Wert beansprucht.Ihr Urteil also in Ehren,doch sie werden m.E. mit ihrer Schilderung der ganz persönlichen Tragik des Dichters nicht gerecht. Sein Vater war reich, Börsenjobber und Großbürger geworden, musste dabei aber immer die damals übel bewertete Herkunft des Ostjuden und Parvenues zu verbergen suchen. Insofern sind die Sprüche, Hermlin sei großbürgerlich aufgewchsen Unsinn und nur sehr oberflächlich gesehen nicht ganz falsch.Im Grunde weist seine Biografie Gegensätze, aber auch deutliche Parallelen zum Lebensschicksal Hans Habes auf. Beide haben sie in ihren Augen fragwürdige Väter, beide nehmen sie als Scharfmacher am kalten Krieg hüben und drüben teil.

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