Mediale Konstruktion der Wirklichkeit

Der Philosoph Sloterdijk sagte gestern in einem Interview : „Terror ist ja nichts anderes als angewandte Medienanalyse. Der Terrorist weiss genau, wie das Spiel läuft. Es müssen – wie bei «Charlie Hebdo» – drei Leute ein Verbrechen begehen, dann sind 60 Millionen durch diese Nachricht mit höchster Zuverlässigkeit monothematisch synchronisiert und geistig versklavt, tagelang, wochenlang. 95 000 Gendarmen werden aufgeboten, um drei Männer zu liquidieren. Wer diese Diskrepanz nicht sieht, hat von der medialen Konstruktion der Wirklichkeit nichts verstanden.“
Freilich, diese kollektiven Erregungszustände, über die ein sozialer Zusammenhang gestiftet wird, müssen permanent gesteigert werden. Und so kann man sich vorstellen, dass uns bald Interviews präsentiert werden, in welchen Herr Lanz oder noch besser die Antonia Rados die Hinrichter und Menschenschlächter fragen: „Was ist das für ein Gefühl. Was fühlen sie dabei, wenn sie einen nach dem anderen hier abschlachten? Was macht das mit Ihnen? „
Das Publikum hat das Recht, die äußersten Szenen des Menschlich-Unmenschlichen live mitzuerleben. Der Aufmerksamkeits-und Erregungsbetrieb darf auf keinen Fall stocken oder abreißen. Das würde eine unglaubliche finanzielle Katastrophe bedeuten. Das wäre der Supergau, in dem dann sogar das äußerste, nämlich die Selbstmorde der Medienmacher selbst gezeigt werden müssten.

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Ein Gedanke zu “Mediale Konstruktion der Wirklichkeit

  1. Sehr gelungen und eine äusserst verlockende Vorstellung! Klaus-Dingsbums Kleber schnüffelt sich mit einer Überdosis Pattex zu Tode! Am Besten noch, wie ein Rockstar mit Plastiktüte überm Kopf und Strick um den Hals, in Unterhosen unter der Türklinke sitzend. Wie schon erwähnt, müssen Sie nicht jeden Kommentar von mir veröffentlichen, es sei denn…

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