Ideologische Seuchengefahr

In der Politik kann nicht immer die Wahrheit gesagt werden. Das ist eine Binsenweisheit, die keine besondere Beachtung verdient. Denn erstens bedarf Politik viel Taktik, zum anderen tummeln sich auf diesem Terrain auch viele Typen, die ein aufrichtiges Handeln sofort zu kriminellen Machenschaften verführte.
Doch wer in der Politik großen Respekt und Hochachtung für sich beansprucht wie Putin, darf selbst seinen Gegnern nicht mit plumpen Lügen aufwarten. Also beispielsweise Krieg führen und danach behaupten, man selbst sei überfallen worden und habe sich nur gewehrt. Damit verliert man auf lange Dauer jedes Vertrauen und findet auch kein Gehör mehr, wenn man Respekt und Hochachtung für sich einfordert.
Warum weiß ein so geschulter, durchtrainierter Mann wie Putin das nicht? Er hat doch seine Lügen selbst zugegeben, ein halbes Jahr später schon, nachdem er die Krim zurück erobert hat, gab er den aggressiven Akt zu. Hat er möglichweise selbst zu wenig Achtung vor seinen einstigen Partnern im Westen? Hält er sie für dekadent, schwul, unzuverlässig, schwächlich, denen er nur seine Muskeln zeigen muss, dann spurten sie schon. Und in der Tat, dem gemeinem Volk imponiert diese rücksichtslose Machtdemonstration gewaltig. Die Rechten bis in die Neonazireihen hinein wünschten sich auch bei uns solche politische Helden zurück. Nicht nur bei uns, auch in Frankreich mehren sich die Fans des Kremlzaren, der nationalistische Funke zündet da und dort schon wieder. Und die nationalistische Ideologie hängt eng mit solchen Führertypen zusammen, die kein Blatt vor den Mund nehmen und sich rückhaltlos zur Machtpolitik bekennen. Andererseits wird ein Europa des Geldes und der Banken die nationalistische Seuche nicht bekämpfen können.

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3 Gedanken zu “Ideologische Seuchengefahr

  1. Lieber Peter Zwey, den folgenden Kommentar müssen Sie nicht freischalten. Ich würde es Ihnen nicht verübeln, wenn Sie ihn allzu persönlich nähmen, weil ich hinter Ihrer Haltung – und allein auf diese Haltung bezieht er sich – nur persönliche Gründe vermuten kann. Etwas anderes ist allerdings auszuschliessen, da ich Sie aufgrung Ihrer übrigen Texte für einen rational reflektierenden Zeitgenossen halte. Sie mögen ein paar Jahr älter sein als ich, aber Sie gehören zweifelsfrei nicht zu jener Generation „letzten Aufgebots“ dessen der ein oder anderer Zugehörigte an den Trägern seiner Lederhose von einem verständnisvollen GI aus dem Schützenloch gezogen wurde und mit Bubble Gum und Camels für den Papa beschenkt wurde, nachdem derselbe ihm den Arsch versohlt hatte. Was ich damit sagen will ist, dass mir ihr positives Bild der USA reichlich antiquiert erscheint, schon beinahe atavistisch. Das sind nicht mehr die, die uns die Demokratie brachten aus innerer Überzeugung und Opferbereitschaft! Schlimmer noch! Die in der Normandie landeten waren es womöglich, aber mich beschleicht mehr und mehr der Gedanke (und das ohne in irgendeiner Weise revisionistisch eingestellt zu sein)dass jene, wie auch hiesige in ihrer vermeintlichen Aufrichtigkeit missbraucht wurden. Ihre offensichtliche Animosität gegenüber den russischen Präsidenten Putin wirkt gerade vor dem Hintergrund komplexen Denkens, den ich Ihnen ohne weiteres attestieren kann, wie eine illusstre Blüte getrieben aus einem irrationalen Ärger. Lassen wir den Mann doch ganz einfach mal ausser Acht! Es geht um die nachvollziehbaren Sicherheitsinteressen eines Landes, welches in seiner Geschichte mehrfach heimtückisch übervallen wurde und zwar ohne jede Rücksicht auf seine Bevölkreung! Beide sind wir „Kinder des kalten Krieges“. Worauf kam es da an? Sie wissen es, auch wenn es Ihnen nicht sofort einfällt. Wir alle leben noch, weil es das Gleichgewicht des Schreckens gab. Auf der einen Seite wurde es mit der Notenpresse und Schuldenmacherei finanziert und forciert(!) und auf der anderen Seite bezahlten die Menschen mit Verzicht an Lebensqualität. Sie selbst geisseln die Macht der ökonomischen Gier. Dann erkennen Sie doch einmal die Zusammenhänge und reden Sie doch bitte nicht als alter Mann (wie ich auch!) dem Kriege das Wort, wie in Ihrem nächsten Artikel!
    Kann es sein, dass Sie immer noch Quellen vertrauen, die über langeZeit ihrer Hörerschaft vor allem Vertrauenswürdigkeit suggeriert habe und es eben nicht sind wenn… ja, wenn Butter bei die Fische zu geben wäre?

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  2. genau, Sie sagen es, das Gleichgewicht des Schreckens war es, das uns den Frieden gewährte. Der Krieg muss heute nicht geführt werden, aber ohne Drohung mit ihm bewegt sich nichts, verliert sich die Dekadenz ins Bodenlose. Ich bin kein Amifan, wie Sie vermuten, ich tue nur nicht so, als könnte ich eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera für mich vermeiden. Als gäb es ein objektives Urteil über den Konfliktparteien, das Ordnung stiften könne.Es gab eine zeit, da ich den rusischen Präsidenten sehr schätzte. Nur, wie hat er sich verwandelt? Das kann auch Ihnen nicht entgangen sein.
    Natürlich gibt es diese Sehnsucht danach, nach einem objektiven gerechten Urteil, aber ich weiß doch auch gut, dass wer bestimmten Leuten nicht massiv droht, von diesen eines Tages übel geprellt und sogar zu Tode gebracht wird. Es gibt ihm Alltag wie in der Politik Personen, die nur auf Zeichen der Stärke reagieren. Leute mit ökonomischen Interessen kann man zur Verhandlung zwingen, Leute mit ideologischem oder religiösem Kopfschuss dagegen nicht. Sie verstehen nur die Zeichen der Gewalt, das ist leider so. Diese makabre Erkentnis habe ich nur im Alter erreichen können, da haben Sie recht.

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  3. Sie schreiben, dass es eine Zeit gegeben habe, in der sie den russischen Präsidenten sehr geschätzt haben und gestehen ihm im Übrigen nicht zu, was Sie ansonsten in Ihren weiteren Zeilen propagieren. Diesen Widerspruch formuliere ich etwas salopp als: Jedes Mädchen sagt irgendwann mal ja und jeder Mann sagt irgendwann einmal NJET! Und das bedeutet klipp und klar an den finanzfeudalistischen Tiefenstaat jenseits des Atlantiks gerichtet was…? Bringt selber was auf die Beine, bevor ihr sie anderen auseinandergrätscht!

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