Nochmal zur Satire

Karl Kraus mochte seine Gegner nicht und auch nur die wenigsten seiner Fans und Verehrer. Er erfuhr durch sie nichts, was ihm hätte dienlich oder fruchtbar werden können. Seine Eitelkeit war von höherer Art und ließ sich so plump nicht bedienen. Deshalb dokumentierte er immer wieder die Einwürfe, Lobhudeleien und auch die rüdesten Angriffe seiner Gegner in der Zeitschrift die Fackel. Die Zitate und Dokumente offenbaren stets das Lektüreunglück und Unverständnis seiner Schriften, bei Freund und Feind. Sie verstanden weder ihn noch sich selbst und projizierten stracks ihre Ressentiments auf ihn. Dadurch stellte sich bei den besseren und genaueren Lesern die satirische Funktion wie von selbst ein und die Wahrheit seiner Behauptung, dass sie eben nicht lesen können. Dass ihnen seine Sprachkunst fremd war und blieb. Er schrieb es ja immer wieder: es ist satirisch nicht viel zu erfinden, man muss sie nur zitieren. „Die grellsten Erfindungen sind Zitate.“
In dem Fall Walter Benjamins, der einen großen Essay über ihn verfasste, reagierte er ähnlich wie Beckett auf das hohe Lob Adornos: Gut gemeint, wahrscheinlich, aber verstehe ich nicht. Auch in dieser Reaktion spüren wir heute noch den leis versetzten Seitenhieb auf den akademischen Übergriff, mehr sagen zu wollen, als sagbar ist. So möchten die ehrgeizigen Sekundärliteraten bei Dichtern aufs Trittbrett springen und ein Stück mitfahren. Verständlich, denn aus Eigenem schaffen sie wenig bis nichts.
Die Sprachkunst wirkt oder sie wirkt nicht, ihr von außen etwas nachzuschieben, nachzuhelfen, empfand er als Sakrileg und wie Beckett als hybrid und für die Katz.

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