Satire

Jetzt reden sie alle dem Tucholsky den unsinnigen und trivialen Satz nach: „Satire darf alles.“ Wie kommen sie nur darauf? Verstehen Sie den Tucho? Das glaube ich schon gar nicht. Der Satiriker von heute wird gar nicht erst gefragt, was er zu dem Begriff sagen kann, oder sofort in Verlegenheit gebracht, diesen blödsinnigen Satz zu kommentieren. Niemand darf alles, auch der Satiriker nicht. Doch er riskiert etwas, von dem nur er etwas weiß, weil er etwas riskiert bei dem, was er tut.
Dieses Risiko bleibt sein Geheimnis, kein Begriff wird es enthüllen. Und nur das Wagnis rechtfertigt sein Tun, das andere außer ihm überhaupt nicht kennen.
Aber sie möchten darüber viel reden, so unendlich viel wie ihre Dummheit groß ist.

Advertisements

8 Gedanken zu “Satire

  1. Selbstredend sollte Satire alles dürfen! Das schon, als äusserstes Leuchtfeuer der Meinungsfreiheit! Was sie niemals darf ist, sich einbilden, dass gelacht zu werden hat, wenn sie im Grunde genommen nur Häme oder Hetze ist, weil sie sich mit welcher Strömung auch immer gemein macht. Ein ähnliches Problem besteht ja auch in der Kunst. Darf ich jeden Scheiss, weil ich in Anspruch nehme, Künstler zu sein? Bewusst spiele ich auf Karikaturen des jüngst in die Schlagzeilen geratenen Satire-Magazins Charlie Hebdo an. Die standen den Juden-Verunglimpfungen des Stürmer teils kaum nach. Und eben trotzdem sollte aber Satire alles dürfen! Wenn Strafe tatsächlich eine belehrende Funktion haben kann, dann ist die einzige zulässige Strafe für ernsthafte Satiriker, dass nicht gelacht wird, über schlechte Arbeit. Mitnichten aber dadurch, diejenigen zu massakrieren. Bei Wiederholungstätern die keine Einsicht haben , sinken Akzeptanz und Auflage und das würde völlig genügen. Im genannten Beispiel war das der Fall, bis…

    Gefällt mir

  2. Es gibt leider auch viel zu viele, die lateinische Zitate benutzen, ohne vom Lateinischen auch nur eine blasse Ahnung zu haben. Es spiegelt ihren Dünkel wider – leider fallen viele drauf rein. „Oh das ist ein kluger Mann/Frau“. Es laufen viel zu viele Blender draußen rum. Leider. Sie haben sich Fragmente angelesen und wissen nicht , wovon sie sprechen, weil sie die Zeitströmungen komplex gar nicht erfassen können.
    Schau ins Ulmer Theater, dann merkst du, wie das Niveau der Zuschauer gesunken ist. Denn solange die Zuschauer DAS gut findet, brauchen wir uns nicht mehr zu wundern.Sorry- das muss ich einfach mal so mitteilen.
    Ps.Auch Satire muss gekonnt sein(man sollte das Stück verstanden haben)
    Gruß
    die Mizzi

    Gefällt mir

  3. Natürlich gibt es schlecht gemachte, ungültige Satiren, billige Häme und plumpe Polemik darin. Über diesen Quark ist kaum zu reden, so wenig wie über die Peinlichkeit des Ulmer Theaters. Andere Satiren werden als solche nicht erkannt, weil sie so gut und treffend sind. Auffällig ist, dass große Satiriker über Satire abstrakt nicht reden, sondern sie stattdessen verfassen. Das hat seinen geheimen Grund, über den ich andeutend etwas aussagen wollte.

    Gefällt mir

  4. Da kann ich Ihnen nur zustimmen! Wer erfasst schon, dass die Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“, des im sechzehnten Jahrhundert geborenen Genies eine köstlich satirische Vorwegnahme des heutigen Gender-Wahns war? Am Ende des Stückes sind die beiden einzigen emanzipierten Menschen auf der Bühne nämlich Petruchio und eben Kate!

    Gefällt mir

  5. wenn man jetzt den hierigen urtext und die kommentare…
    an den richtigen stellen beschneiden würde
    käme fast ein manifest fürwieder des satirismusses heraus

    …obwohl…wenn es keine dummen fragen gibt..
    warum sollte es dann dumme satire geben?
    jedem das seine…oder war das auch satire?
    man merkt es gleich ein fragiles thema…
    und wer kennt das nicht…das gerade die pakete mit den
    vorsicht glas aufklebern..
    meisst am häufigsten geworfen werden ;D

    Gefällt mir

  6. Den geheimen Grund verstehen aber nicht alle. Ich denke, dass auch nicht alle Satiriker „große“ Satiriker sind- wie Du es beschreibst. Oder siehst du das anders? Viel zu viel schlechte Popanzen verwässern das Terrain und die Gattung, so dass man sie vermeintlich in ihrer Formalie nicht mehr klar definieren könnte.Hmm?

    Gefällt mir

  7. ja, ich sehe das auch so. Viel Geschwafel. Der geheimne Grund, den ich meine, ist weniger zu verstehen als zu erahnen. Große Satiriker wissen, dass, was sie tun, nicht definierbar ist. Oder es missglückte, verraucht wie ein Comedygag. Tut keinem weh und bringt dafür die trübste Tasse zum Grinsen. Ha, Schadenfreude.
    Auch deswegen, nicht nur aus Humorlosigkeit, meiden Germanisten und Feuilletonisten die große Satire. Ihre Lassos gehen ins Leere,wenig Ausbeute, wenig Gewinn, drum halten sie sich an die kleineren, gut verständlichen Satiriker wie Tucho und Kästner.

    Gefällt mir

  8. Natürlich, über Karikaturen und über Satiren ist immer zu streiten, das macht ihre Funktion aus. Sie sind nicht dazu da, Fans zu befriedigen, wie die Schlagerleute oder die Medienfuzzis. Deshalb ist Satire im Staatsfernsehen auch so paradox. An Satirikern und Karikaturisten ist so angenehem, dass sie um des Erfolges willen, den sie oft sehr schwer erringen,niemals Dreck fressen. Daran könnt ihr sie erkennen und an ihrem Schweigen.
    Dafür gibt’s freilich keinen Bambi von Hubert Burda.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s