Drogensucht

Für den Theologen J. Ratzinger ist diese als ein Anzeichen dafür zu erkennen, dass auch in der vollends profanen Welt, die als Gefängnis der Tatsachen empfunden wird, die Sehnsucht nach dem Paradies nicht auszutreiben ist.
Für den Philosophen Sloterdijk offenbart sich in ihr ein Bedürfnis nach Inexistenz, in der die Dämonen über das masochistische Subjekt herfallen: „ In der Sucht begegnet uns eine individualisierte, das heißt vom Mitwissen der Kulturmitglieder abgespaltene Revolte gegen die Zumutung des Daseins. Durch entritualisierten Privatgebrauch der Drogen bahnen sich die Subjekte sozusagen wilde Rückwege in die Inexistenz. Oft glauben sie ausdrücklich ein Recht auf solche Ausflüge zu haben, als wären sie in einem Winkel ihres Bewusstseins von der Überzeugung durchdrungen, dass sie zu souverän sind, um sich die Plumpheit des Daseins zumuten lassen zu müssen. Es ist wahr, nichts macht so überlegen wie das Sichhinausdenken aus der Verlegenheit gegebener Umstände: nichts macht so frei wie das Schweben über dem Gegensatz von Wollen und Müssen: kaum etwas erheitert so sehr wie die Gewissheit , der Sklaverei des Selbsterhaltungstriebs entrinnen zu können.“ ( P.S. in „Weltfremdheit“, edition suhrkamp, 1993 S. !47 f.)
Die Hoffnung, dass sich in diesem Nirwana göttliche Stimmen zurückmelden, trügt und öffnet bald der Sucht alle Türen, durch die Dämonen einfallen und die Subjekte verknechten.

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