Kleiner Lauschangriff

Habe unabsichtlich und nebenbei das Gespräch einiger junger aufstrebender Leute mitbekommen. Sie waren flott eingekleidet von den angesagten Weltfirmen der Mode und haben alles mögliche studiert, BWL, Medizin, oder ganz neue Businesswissenschaften, die ich noch gar nicht kenne .Bemerkenswert dabei für mich, dass sie kaum über das Fachliche oder Substanzielle ihrer Studien redeten, sondern ausschließlich über ihre Karrieremöglichkeiten. Dabei fungierte die Beratung und das Coaching als  Schlüsselwörter. . Eine Holding scheint ihnen die bessere höhere Firma als alles, was darunter rangiert. Warum, wissen sie nicht, weil sie es wahrscheinlich eh nur einem berühmten Marketingschwafler nachplappern. „Wenn du dich auf Beratung spezialisierst, kannst du immer noch auf Coaching umstellen, wichtig ist eh vor allem der Verkauf, den Verkauf musst du lernen, egal was du sonst machst. Weil wenn du den Verkauf beherrschst, kannst du alles verkaufen, egal was..“ . Die jungen Damen haben dabei noch ein Problem, sie wissen noch nicht, ob sie Kinder kriegen werden. Wenn ja, dann wären sie lieber irgendwo ansässig, statt immerzu durch die Welt zu jetten, obwohl das sicher sehr cool ist, eine ganze Weile lang. Man kann ja bei einer großen Firma kein Landei bleiben. Die jungen Männer sagen sofort, Kinder seien für sie kein Problem, sie würden sich auch dafür zur Verfügung stellen und jederzeit für das ein oder das andere Sabbatjahr bereit sein. Kommt halt drauf an, wie der Job dann läuft. Alles ne Sache der Planung heute. Sie haben immer noch kein Thema berührt, das sie fasziniert oder umtreibt, sie sind auch nach einer halben Stunde, nachdem ich meinen Kaffee getrunken, meine Zeitung und was mich darin interessierte gelesen habe, und allmählich aufbreche, noch immer bei ihren Karrierewünschen. Ein junger Herr mit einem lustigen Hut und einer Fliege am Hals, kennt bereits mindestens 4 Leute, die bei McKinsey arbeiten, die sagen alles dasselbe: „Beratung ist eine Supersache, aber natürlich schadet es nicht sondern im Gegenteil, wenn du jede Menge über den Verkauf weißt. Weil die Beratung musst du ja auch verkaufen. Logisch.“
Eigentlich wollte ich solange warten, bis sie die Kurve kriegten und zu irgendeinem Stück Futter bei de Fische kämen. Aber das war mir dann doch zu fad. Irgendjemand muss ihnen eingeredet haben, dass sie mit ihrem Businessgeschwätz bald zu den Führungskräften dieser reichen Welt aufsteigen können.
Es wird ein böses Erwachen für sie geben, denke ich, aber ich spürte, als ich in ihre leeren Gesichter unterhalb ihrer modischen Haarschnitte schaute, kein Verlangen, sie zu warnen. Mir würden sie eh kein Wort glauben, ich habe gar kein besonderes Faible für den Verkauf.

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3 Gedanken zu “Kleiner Lauschangriff

  1. Flott und zügig geschriebene Glosse. Allerdings heißt es nicht „Futter bei de Fische“ sondern „Butter bei de Fische“. Möglicherweise erschienen dem Autor ja die jungen Karrieristen bereits so ölig, dass ihm das überflüssig erschien? 😉

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  2. ja, der Fehler ist richtig, kann ihn nun nicht mehr korrigieren, sonst macht ich ihren Einspruch überflüssig. Ja, so ist das mit den richtigen Fehlern.
    Wie komm ich nur auf Futter? Aber bedeutete hier Butter wirklich viel mehr?

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  3. Darüber liesse sich trefflich philosophieren, ob es nicht sinnvoller wäre, die kleinen Fische erst bis zur Portions-Größe zu füttern, bevor man sie in die Pfanne haut.Und eh man sich versieht, passen sie nicht mehr ‚rein.

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