Jesus – der Fremde, der geborene Flüchtling

Der Theologe Klaus Berger erzählt den Journalisten des Cicero, wie sehr man Jesus immer wieder durch den Zeitgeist manipulierte, wie man ihn einzugemeinden suchte in die gefragten Rollen der Zeit. Einmal sah man ihn als Revolutionär, dann als Pazifisten, und heute wahrscheinlich sogar als Frau.
Natürlich hat er mit all diesen Rollen nichts zu schaffen, deshalb fragt Cicero, für wen halten sie ihn denn Herr Professor und Berger gewitzt, wie man ihn kennt, sagt: wahrscheinlich war er ein Bankbeamter, denn er redet ja viel von Zinsen und Kapital.
Als der liberale Journalist den Witz nicht kapiert, sagt er: „Aus meiner Sicht ist Jesus zunächst einmal der Fremde, den wir nicht verstehen.“ Als auch diese Antwort dem Medienmenschen nicht recht verwertbar erscheint, setzt er noch eins drauf: „ Der Mensch Jesus ist der Ort, an dem man Gott findet.“
Ja, aber er hat doch Wunder gewirkt, lässt sich daraus nichts Konkreteres für unsere Zeit herausholen? Setzt Cicero noch einmal nach. Berger weiß jetzt, die Vertreter unserer Zeit verstehen nur Bahnhof, wenn sie an Jesus denken, sie denken falsch, sie ahnen nichts vom Geheimnis der Geschichte, er versucht es noch einmal: „Damals –in der Zeit der Wundertaten- hat man Wirklichkeit anders wahrgenommen als heute. „Stell dir vor“, Berger noch einmal: „alle Daseinssicherung fiele weg, es gäbe nur dich und Gott, wie würdest du dich verhalten? Jesus neue Antwort lautet: Du sollst Gott radikal ähnlich werden in dem, was du tust.“

Berger macht deutlich, das Christentum verstehen heißt sich auf einen Wahnsinn einzulassen, bzw. es immer wieder zu versuchen. Du wirst scheitern, aber um dieses Scheitern geht es. Es kann in der Kommunikationssprache des Konsums nicht vermittelt werden, worum es Jesus geht.
In der Ära der Welterfolge und der Supergewinne wird man dieses Scheitern weder schätzen noch wertschätzen können.- Aus dieser unserer Zeit heraus kann man eine Gestalt wie Jesus nicht erkennen. Man muss diese Zeit abstreifen wie eine künstliche Haut, dann erst käme man ihm wieder näher. Vielleicht.

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