Unterhaltung ist Trumpf

Viele Politiker sind peinliche Figuren, weil sie sich wie Stabhochspringer über die Schmerzgrenze hinauf schrauben müssen, um eine gewisse Popularität zu erreichen, die sie jenseits ihrer politischen Kompetenz auffällig macht. Dabei ist der Stab nicht ihr Verstand, sondern ihr Instinkt , sich dem mainstream anzuschließen, der sie freilich nicht originell macht, sondern zum Nachplappern verpflichtet , um als Politiker mit den toten Hosen, der Frau Senta Berger oder einem Fußballstar auf einem sog. B-Format mitsiegen zu können. Das könnte einen Rückkoppelungseffekt ergeben, der sie auch in die politische erste Reihe katapultieren kann. Das könnte freilich auch ihre Individualität vernichten, aber ihren Namen in einer Mittellage von Prominenz halten, die es ihnen ermöglicht, außerhalb des politischen Terrains auch einmal bei einer Quizzshow aufzutreten.
Wie etwa der als halber Komiker berühmt und beliebt gewordene Norbert Blüm. Ähnlich können auch Schauspieler, die nicht eine Übergröße darstellen, wie Frau Ferres oder der Herr Sittler, in dem sie sich politisch engagieren, die Farbe wechseln und ihren Popularitätswerte auswärts deutlich steigern. Neuerdings drängen sich sogar verdiente Wissenschaftler in die Unterhaltungsbranche, um ihre Prominenz ins allgemeine Feld zu führen und zu erweitern. Wenn sie bei den Fernsehquoten achtbare Erfolge erzielen, finden sich sofort Werbemanger und Verleger, um ihre wissenschaftliche Kenntnisse zu popularisieren und auch für Hinz und Kunz konsumierbar zu machen. So erstreckt sich der Marktplatz auf immer neue Gebiete, und zwar auch auf solche, die früher einmal allein von der staatlichen Subvention leben konnten. Interessant sind auch solche Phänomene wie Pierre Vogel, der vom Preisboxer zum muslimischen Propagandisten aufsteigen konnte, oder all die schönen Schlager-Sternchen, die ihre seichte Unterhaltungsnatur über Nacht abstreiften und ins seriöse Fach wechselten, wo sie zu Unesco -Botschafterinnen wurden. Wer heute ein berühmte Bestsellerautor und Multimillionär werden will, sollte sich nicht mehr wie Günter Grass bei den Bildungsinstitutionen anstellen, sondern am besten Moderator werden, wie die gute Frau E. Heidenreich. Von dort ist der Sprung zum größten Erfolg schneller und viel leichter zu schaffen. Gar nicht zu reden vom Starmaker und höhere Arbeitsplätzevermittler Dieter Bohlen.

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