Brief an Volker Weidermann von der FAZ

Die sehr plumpe Polemik gegen Karl Kraus, die die FAZ-Redakteure Maak und Weidermann am Sonntag publizierten, anlässlich einer Rezension von Jonathan Franzens Buch: “ das Kraus-Projekt“, war so ärgerlich, dass ich mich entschloss,an Herrn Weidermann zu schreiben. Möglichst klar in der Sache und höflich im Ton.
Hier mein Text:

Sehr geehrter Herr Weidermann,
Ihre Polemik gegen Karl Kraus, die Sie am Sonntag zusammen mit ihrem Kumpan Maak publizierten, -natürlich auf Kraus geht man am besten zu zweit los- ging leider voll schief. Es war gar keine Polemik, nur eine Schmähung. Ich moniere nicht, dass Sie einige schiefe, völlig obsolet gewordene Bilder im Kraus’schen Heineaufsatz attackierten, das geht in Ordnung. Nur, Sie könnten doch aus Adornos Replik auf Kraus in dessen Aufsatz „die Wunde Heine“ wissen, dass Kraus im selben Text noch einige andere Punkte ansprach, die bis heute nachdenkenswert und treffend geblieben sind. Den wirklich fulminant-dichten Text über Nestroy berühren Sie erst gar nicht, weil Sie damit Ihr Klischee vom „Hasser“ Kraus nicht mehr halten könnten. (Neulich nannte ihn eine Spiegelredakteurin sogar einen „Rechthaber“. Tja, die Leute von heute machen sich’s leicht.)

Auch Sie,Herr Weidermann und Herr Maak, offenbarten mit Ihrem Artikel deutlich, dass Sie Karl Kraus kaum kennen. Ich bin Krausleser, keineswegs Krausfan und finde jede echte Kritik an diesem Mann durchaus berechtigt und vor allem interessant. Das Niveau müsste sich allerdings auf seiner Höhe befinden, nicht so tief darunter, wie übrigens auch das Krausbuch Franzens, der aber wenigstens nett plaudern kann. Aber auch das Buch Franzens verfehlen sie vollkommen. Es ist kein Buch über Kraus, sondern nur über Franzens Werdegang als Schriftsteller, anlässlich seiner Krauslektüre als Student in Berlin. Es ist für Franzenleser vielleicht wichtig,  nicht jedoch für Leser von Karl Kraus.
Ich finde es schade, dass Sie den guten Platz nicht besser nutzten, sondern nur wieder die alten Ressentiments von Reich-Ranicki und Raddatz aufwärmten. Dass die beiden, als Wiedergänger einiger von Kraus bereits erledigten Figuren, den Wiener und Juden K.K. hassten und perhorreszierten, versteht der Fackelleser auch heute noch gut und mühelos.

Mit freundlichen Grüßen

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