Die Selfies

Die einen sehen darin einen demokratischen Fortschritt, in dem jeder die Möglichkeit hat, unendlich viele Selbstportraits zu produzieren und immer ähnlicher den Bildern zu werden, die man von sich selber haben und lieben will. Die anderen sehen im Selfie eine narzisstische Banalisierung des Selbstverhältnisses, das ganz im Oberflächlichen und Körperlichen gesucht und bewahrt werden soll..
Ich sehe im Selfie einen Hilfeschrei, um nicht ganz und for ever von der Aufmerksamkeit auszuscheiden und abgehängt zu werden, die immer mehr und beinah ausschließlich den Maschinen zukommt, sodass nur eine ganz kleine Elite von Menschen noch eine existentielle Anerkennung erhalten kann und zwar nur diejenigen, die sich im Nah-und Intimbereich der göttlichen Maschinen aufzuhalten das Privileg haben. Bevor ich ganz dem Dunkel des Vergessens anheimfalle,meint man bei facebook,fabriziere ich noch viele Selfies, von denen es vielleicht eines oder zwei als originelle Erinnerungsstücke ins kollektive Gedächtnis der Nachwelt schaffen könnten. Die Panik des Vergessenwerdens, des Unbeachtet-Bleibens, entdecke ich in den Selfies, von denen einige dennoch wie Kunst aussehen.(Auch wenn sie nie das Tiefenniveau eines Rembrandt erreichen.)
Aber das scheint mir die Resthoffnung zu sein vor dem massenhaften Verschwinden der Menschen in Zahlenwerken und Datenbergen.

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2 Gedanken zu “Die Selfies

  1. Selfies sind Produkte der kommunikativen Massengesellschaft, ihre Beliebtheit verdanken Selfies der Möglichkeit massenhafter Verbreitung in sozialen Medien im Internet.

    Ein Selfie ist eine durchaus existenzialistische Äußerung im Datenmeer und der Bilderflut der Datenkommunikation. Selfies erfreuen sich jedoch nur deshalb so großer Beliebtheit, weil sie ein narzistisches Bedürfnis des Menschen befriedigen:

    Der Mensch sieht sich als optisch empfindendes Wesen gern an exponierter Stelle, welche ihn von anderen abhebt. Wer Selfies produziert, sieht sich gern im Netz und er möchte natürlich auch gern von anderen im Netz gesehen werden.

    Wer Selfies ins Netz stellt, tut dies meist in der Hoffnung auf geteilte Aufmerksamkeit und Weiterverbreitung im Netz. Das Motto dazu könnte lauten: »Schaut her, ihr Netzfreunde, das bin ich im Internet!«

    Was viele – aus Gründen menschlicher Dummheit – aus dieser Möglichkeit der Datenkommunikation tatsächlich daraus machen, ist schon wieder eine andere Sache.

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  2. Selfies sind Nachahmerprodukte von berühmten Personen, die ihre Eigenansichten ins Netz gestellt haben. Wer möchte sich nicht auch mal so darstellen können wie Porminente?

    Der Produzent von Selfies erschafft daher originelle Erinnerungsstücke und befördert sie dann ins kollektive Gedächtnis der Nachwelt in der Hoffnung auf geteilte Aufmerksamkeit.

    Das höchste was einem solchen Produzenten passieren kann, ist die Erreichung von jener Bekanntnheit derer, denen er so gerne nacheifert.

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