Biermann im Parlament

Der alte Wolf durfte wieder einmal singen und die Linken beschimpfen als unbelehrbaren Rest der alten SED Herrschaft. Das ergab hämische Freude bei den sog. Bürgerlichen und sauertöpfische, beleidigte Gesichter bei den Attackierten.
Aber was sollten diese auch machen nach der Wende? Bei den etablierten Parteien kamen sie als von den SED-Bonzen einst Privilegierte nicht an und was anderes als ideologische Politik hatten sie ja schließlich nicht gelernt und mussten nun damit überleben; was ihnen bis heute ganz gut gelingt. Einige von ihnen sind ja sogar zu Stars und Lieblingen der Medien aufgerückt. Sie haben es freilich versäumt, den Biermann Wolf zu hofieren und ihn in allen Ehren und Würden bei sich aufzunehmen und dafür ein paar alte Stalinisten zu opfern und rauszuwerfen.
Denn auch der Barde stand nun nach der Wende wie sie in der Wüste. Er konnte auch nicht einfach zu den Bürgerlichen überlaufen, gegen die er doch fast genau soviel wie gegen die einstige Betondiktatur gesungen und geeifert hatte, auch bei den Grünen fand er so wenig wie die demokratischen Reformkräfte eine Heimat. Er steht drum bis heute auf verlorenem Posten, bei dem ihn, der so sehr wie die Linken eines wärmenden Kollektivs bedarf, niemand abholt. Deshalb ist er böse und nutzte die Gelegenheit im Parlament, samt seiner Gitarre auf seinen alten Glanz zurückzukommen und ein wenig zu poltern. Grob und proletarisch wie gehabt und auch seinem ironischen Gastgeber Lammert mit leichtem Spott begegnend. Es ist seltsam, wenn es um die alte hässliche DDR-Diktatur gehen soll, vorwändig natürlich und zum verordneten Gedenken, dann kommen sie aus dem alten Phrasenmist nicht heraus, als gönnte uns ein gnädiges Schicksal eine Erholungspause im Kampf gegen die neue Diktatur, die den stolzen glamourösen Namen Digitalisierung trägt, und bereits schon begonnen hat. Die Linke wird sich ganz von selbst erledigen, absterben wie der ganze Politikbetrieb, den in seiner morgigen digitalen Zurüstung bald niemand mehr weder wieder erkennen, noch vermissen wird. Biermann aber wird noch eine ganze Weile lang in der Kulturgeschichte einen mittleren Rang und Platz behalten.

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4 Gedanken zu “Biermann im Parlament

  1. Dass es mit der Intelligenz der bürgerlichen „Eliten“ nicht allzuweit bestellt ist, ist ja allgemein bekannt. Wer es vorher nicht wusste, ist nach dem Auftritt von Wolf Biermann im Deutschen Bundestag wenigsten um einen Tick schlauer.

    Wie kann man einen aus der DDR ausgewiesenen Barden und SED-Regimekritiker ausgerechnet zum Mauerfall auftreten lassen? Was hat Wolf Biermann mit dem Fall der Berliner Mauer zu tun? Hat er sie etwa mit seinen Liedern niedergesungen?

    Wer Wolf Biermann einlädt, bekommt auch Wolf Biermann! Dass Biermann seinen Auftritt dazu nutzen würde, um mit den linken Kadern, die einst dafür gesorgt haben, dass er 1976 ausgewiesen wurde und er danach im Niemandsland landete, abrechnen würde, konnte sich eigentlich jeder denken, aber nur diejenigen Vertreter des Bundestages nicht, die ihn eingeladen haben!

    Vielleicht sollten diese mal jemandem einsteillen, der sich mit deutschen Befindlichkeiten auskennt, denn das Hohngelächter der bürgerlichen Abgeordneten aus dem Bundestag dringt aus dem Hohen Hause nun tief in die immer mehr verblödende Gesellschaft hinein.

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  2. Wer soll eingeladen werden nach deinem Gusto, wer kennt sich aus in deutschen „Befindlichkeiten“ wie du sagst, wer? Nenne Ross und Reiter, sonst verpufft alles im Allgemeinen, wie bei den Bürgerlicheh immer.

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