Mehr als eine Anekdote

Es gehört zu den pikantesten Pointen der Geschichte, dass ausgerechnet ein französischer Priester, namens Jean Meslier, im 18.Jahrhundert ein Testament hinterlässt, in dem er schonungslos mit der katholischen Kirche und ihrer Religion abrechnet und damit die großen Aufklärer Holbach und Diderot, -dieser übrigens auch ein ehemaliger Schüler der Jesuiten- maßgeblich beeinflusst hat. Voltaire, der weiß Gott nicht an diesen glaubte, der nichts von der katholischen Religion hielt, sie aber gerne als prächtige Kulisse missbrauchte, um darin mit seinen fürstlichen Mäzenen spazieren zu gehen, verwässerte und milderte diese Abrechnung Mesliers zunächst.
Im Salon Holbach aber kannte man das Original und schrieb unter Pseudonym fleißig daraus ab. Diese Neuauflage der Judasstory ist heute, wo eine andere Religion wieder für für grauenhafte Katastrophen sorgt, sehr interessant, da wir dringend auf neuerliche Revolten aus verborgenen, intellektuellen Kreisen des Islams warten. In der Zuversicht, auch im Islam könnte nochmal eine Aufklärung, eine radikale Religionskritik im Sinne Holbachs hervorgehen.
Bert Brecht hat in der Gestalt des kleinen Mönchs in seinem Galilei-Stück die genau Gegenfigur zu Meslier geschaffen, mit dieser Figur dreht Brecht die Attacken Mesliers um und fragt danach, wie die armen, von Kirche und Adel Unterdrückten ihr Elend wohl aushalten könnten ohne die Jenseitsvertröstung der katholischen Religion.

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