Elfriede Hammerls Zeitroman

E.Hammerl 

  • Dieter ist die Hauptfigur in Elfriede Hammerls Roman „Zeitzeuge.“.Dieter hat sich zweimal verwählt. Zwei Frauen nacheinander geheiratet, die wenig von ihm hielten. Beruflich hat er es zuerst zum Journalisten gebracht, nachdem er als Romanautor für seine Begriffe gescheitert ist. Danach wurde er Miteigentümer eines kleinen Verlages, der ihm jetzt zur Erzählzeit einige Sorgen macht. Seine Kinder, Agnes, die Ärztin und Nikolaus, der halbwüchsige Rebell, machen ihm wenig Freude, doch immerzu Vorwürfe, denn als Vater habe er keine gute Figur gemacht. Das findet auch Martha, seine zweite Frau, die Mutter von Nikolaus.Dieter zieht sich in sich selbst zurück, er hat keine Lust mehr auf menschliche Begegnungen, obwohl er gewissen Frauen, wie der forschen Susanne, immer noch gefällt. Er weicht ihnen aus. Denkt er an Ruth, seine erste Frau, die linke Dozentin und Bildungsbürgerin oder Martha, die Proletariertochter, dann weiß er wieder, dass es dazwischen wohl nicht mehr viel weibliche Varianten geben wird, die ihn noch einmal zu mehr Elan und Aufbruchsgeist verleiten könnten. Er fühlt sich alt, müde, schuldig. Einst tat sich Dieter leicht damit, Frauen aufzureißen, wie man sagt und es Norbert, seinem Verlagspartner, immer erschien. Er wich deshalb nicht von Dieters Seite, um wenigstens die Schönheiten abzukriegen, die jener nicht begehrte.

  • Jetzt im Verlag spielt Norbert sich auf und publiziert einen fragwürdigen Rechten, namens Landmann, den Dieter nicht ausstehen kann. Es kommt zum von Norbert maliziös inszenierten Skandal. Landmanns Buch „Heimatliebe“ soll ausgerechnet am 20. April in der Hofburg auf dem sog. Hitlerbalkon der Öffentlichkeit präsentiert werden. Nochmal ein Thomas Bernhard-Jelinek -Haider-Stoff, denkt man. Aber die Autorin hält ihn auf Sparflamme, walzt ihn nicht aus. Der Frankfurter Sponsor und Verlagspartner lässt sich Buch und Event nicht gefallen und kündigt Norbert, der daraufhin Suizid begeht.

    Ach, das Leben geht immer weiter, und zwar so wie’s mittendrin schon gescheitert ist. Es scheitert jetzt nicht mehr so sehr, aber enthält auch keine neuen Aufregungen oder Hoffnungsfunken mehr. Das liegt natürlich an Dieter, der den Glauben an sich selbst gründlich verloren hat. Die neue Welt der Digitalisierung, der political correctness, der Umweltkatastrophen und des Geschwätzes um diese tristen Umstände herum, alles verdrießt ihn und ödet ihn an. Es ist eine Last geworden, das schon so lange andauernde Leben.
    Dieter war einst so hoffnungsfroh und erstrebte ein erfolgreiches Berufsleben, das ihm auch möglich gewesen wäre, aber seine zwei Ehen zermürbten ihn so sehr, raubten ihm so sehr alle Kräfte, dass er auch in den Früchten daraus, den Kindern, die ihm in eine fremde Welt abdrifteten, keine großen Hoffnungen mehr erkennen kann. Er kann sich zwar denken, dass Agnes eine erfolgreiche Ärztin werden wird, aber wenn er an ihre Patienten denkt, kann er sich kaum vorstellen, dass einer von ihnen besondere Zuneigungen mit seiner philiströsen, zickigen Tochter verbindet. Nein, für ihn ist es kein Vergnügen mehr, mit Agnes zusammenzutreffen, dauernd ihre Vorwürfe zu ertragen, er habe sie falsch erzogen fürs Leben. Eigentlich wäre sie doch glühend gerne Schauspielerin geworden..jetzt sieht er, wie sehr seine Mutter, die gütige und bescheidene Sozialdemokratin, es geplagt haben muss, als er ihr immerzu ganz ähnliche Vorwürfe wie Agnes vortrug.

Der Geist der Zeit hat ihn ständig gefoppt, er wollte ihm deshalb gar nicht mehr zuhören, wenn die Leute um ihn herum ständig neue Themen aufbrachten, die man jetzt beachten müsse, jetzt in der neuen Aufbruchsepoche. Für Dieter waren die letzten Jahre immer nur von den Zeichen seines Niederganges übersät. Man hat kein Mitleid mit ihm, manches von dem, wie er denkt, gibt ihm Recht, manches andere amüsiert einen als Leser mehr als ihn, den armen Protagonisten. Doch dann im letzten Drittel des Buches tritt Natalia auf, eine alte Liebe Dieters, an der sich sein Lebensgeist sofort wieder entzündet. Natalia ist damals, vor Jahrzehnten, als Dieter mit ihr anbandeln wollte, nach Paris zum Kunststudium entflohen und erst vor kurzem wieder zurückgekehrt, sie lebt jetzt in Graz. Dort besucht sie nun Dieter und sie kommt nach Wien. Wie es mit den beiden weitergehen kann, lässt das Buch offen.

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