Der skandalunwürdige Herr Luke

Wenn der alerte Herr Professor Luke (AfD) sich bei Frau Illner beschwert, dass er immer dieselben Fragen gestellt bekomme mit dem Verdacht, dass er doch eine bedenkliche Nähe zu braunem Gedankengut pflege, dass er etwa, als er einmal das anrüchige Wort Entartung gebrauchte, sogleich und fortan mit der braunen Keule traktiert werde, während Herr Helmut Schmidt, als er dasselbe Wort in den Mund nahm und auch Herr Schäuble desgleichen tat, deshalb mit keinem bösen Wort skandalisiert wurde, dann reißt Frau Maybrit ihre staunenden Augen auf und versteht diesen Einwand absolut nicht. Sie wischt ihn vom Tisch mit der Bemerkung: „na gut, Herr Schäuble und Herr Schmidt waren schon lange nicht mehr in meiner Show, aber ich kann sie ja das nächste Mal auch danach fragen“. Sie muss ihr Lachen unterdrücken, sie versteht die Kritik einfach nicht, denn quod licet Jovi, non licet bovi. Herr Schmidt und Herr Schäuble sind schließlich Medienstars, wie sie selbst und Herr Luke darf das beileibe niemals werden.
Zur Not muss da in der Tat die braune Keule her. Damit weiß sie sich in einem gesicherten Konsens mit allen etablierten Größen der politisch korrekten Szene.
Die Stars und Protagonisten der Hauptmedien verstehen überhaupt keine Medienkritik, sie fühlen sich dagegen immun. Kritik üben doch sie in den Medien, wer möchte an dieser gesitteten, durch riesige Einschaltquoten legitimierten Vorrechts-und Machtposition rütteln? Welche Unverfrorenheit und welcher Dilettantismus, mit dem Herr Luke sich dann auch noch erdreistet, die im besten Fernsehdeutsch formulierten Fragen Frau Illners als klischeehafte Zumutung zurückzuweisen. Ist Herr Luke denn ein politischer Masochist? Ahnt er nicht, wer im ZDF am längsten Hebel sitzt, an den er kritisierend doch niemals heranreichen kann?
Das Schauspiel zwischen der hochgemuten Dame der Medienwelt und dem kleinen schmächtigen Professor, der zeigen wollte, dass ihn die große Queen nicht einschüchtern kann, war bezeichnend für das, was man einst das Klassenspektakel von ganz oben und unten nannte, als Herrschaft und Knechtschaft zu begreifen hatte. Der Weichspüler der konsensuellen Medienspeech konnte den heimlichen Verstoß gegen die verbriefte Egalität nicht ganz vertuschen. Der Ausgegrenzte erhielt keine Eintrittserlaubnis, so sehr er sich auch mühte, seriös begründete Argumente für sich sprechen zu lassen. Er war nicht gefragt, er gehört dem falschen Milieu an. Vernunft hin oder her. Die Hauptmedien werden ihn nicht integrieren, er muss sich bei kleineren Brotfabriken anstellen. Er ist auf denkwürdige Weise skandalunwürdig.

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