Elfriede Hammerl

Elfriede Hammerl schreibt nicht nur Romane wie den „Zeitzeugen“, der soeben erschien. Sie verfasst auch Kolumnen in österreichischen Zeitschriften. Diktion und Stil der letzteren fließt auch in den „Zeitzeugen“ ein. Zum Beispiel zum Thema der neuen Auffassung von Bildung und Wissenschaft:

So lässt sie Natalia, eine alte Freundin Dieters, der Hauptfigur des Romans, sagen: „ was zur zeit läuft, ist doch eine seltsame pseudoakademisierung. ehrlich, findest du nicht? Ich stelle das ungern fest, weil es für mich sehr wichtig war, studieren zu dürfen, bis heute habe ich respekt vor leuten, die sich mit leidenschaft in ein thema vertiefen, auch wenn es noch so abseitig ist, aber diese akademiker light, die bloss gelernt haben, banalitäten aufzublasen und in einem möglichst komplizierten jargon abzuhandeln, die sind doch eine verarschung der wissenschaft, oder? „ Jeder studierte Leser weiß, was sie meint, jeder kennt den Bachelor der „vergleichenden Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Frühstücksflockenmarketing“ und dergleichen, was heute alles studiert werden soll und kann. Das Meiste davon klingt mehr nach Wellness-Wichtigtuerei als nach Wissenschaft, aber Hauptsache, es gibt einen akademischen Titel dafür. Und der Staat, in dem man gern und viel von Bildung schwafelt, gibt seinen Segen dazu.
„Der Kaiser ist nackt“, heißt es im Märchen, doch keiner sieht es. Es lebe der Schein, das Wesentliche scheint schon verstorben zu sein. Die neuen Akademiker verzapfen viel Fachchinesisch, wenn sie aber persönlich werden, sprechen sie im ordinärsten Argot der Unterschicht. Die meisten ihrer Professoren nennen sie Arschlöcher, sie selber aber führen sich auf wie der Stefan Raab, der king of Koteletts.

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