Historische Stunden, schon wieder

Mein Gott, jetzt kommen diese DDR Menschen von vorgestern immer noch und klagen, dass eben doch nicht alles schlecht war. Die Kinderbetreuung zum Beispiel. Natürlich hatten viele auch Vorteile in diesem sog. „Unrechtsstaat“, um den auch dauernd gestritten wird, geschenkt– Man weiß doch, dass einige jetzt den Kürzeren zogen, die damals nie ausreisen wollten, die doch ganz zufrieden waren, sich gut versorgt fühlten und so weiter.
Eine Friseurin, die in der Partei fleißig Hurra geschrien hat, hatte doch die Möglichkeit,ob sie nun besonders musisch war oder nicht, aufzusteigen. Entweder in der Partei selbst oder sie konnte zum Theater gehen und Genossin Maskenbildner werden.
Eine Karriere, die ihr nirgends anders als in der DDR oder vielleicht noch in Nordkorea möglich gewesen wäre. Oder denken wir an die hübschen Fernsehansagerinnen, die hatten es doch gut, wenn sie brav den Genossen Honecker jeden Tag schön hoch leben ließen. Jetzt müssen sie zum Arbeitsamt und das triste Leben kleiner Leute führen, wie überall. Und sie waren doch einmal prominent im ganzen Dorfe.
Honecker sei doch eine Person der Geschichte gewesen, sagen sie jetzt auch gerne und übrigens, er sei doch auch von Politikern des Westens hofiert worden, sagen sie gerne noch dazu.
Eine Person der Geschichte? Mein Gott, wie man nur darauf kommen kann, wie das klingt. Dieser hölzerne Dumpfmichel war nie eine Person der Geschichte, warum auch, wegen der 15 Jahre, die der am Ruder war? Das ist ja ein Fliegenschiss im gewaltigen Massiv der Jahrhunderte alten Historie.

Aber so retten sie sich halt, die armen Leutchen, sie waren ja auch mal etwas beinah Großes, sie waren Gäste großer phrasenreicher Parteitage und die anderen, die vieles zu erdulden hatten, vor allem die tägliche Demütigung durch die autoritären Partei-Säcke und Stinkstiefel, die sie schikanieren konnten und falls sie über die Mauer wollten, sogar abknallten wie tolle Hunde. Diese anderen betonen jetzt dauernd, dass sie die Freiheit erkämpft hätten, dass die Befreiung ihr alleiniges Werk gewesen sei.
Naja, das stimmt schon ein bisschen und wir lassen es ihnen auch gerne. Nur wissen wir auch, dass ohne Gorbi gar nichts gegangen wäre. Ohne Gorbi und den Zusammenbruch des morschen Sowjetimperiums wäre die Schmach ewig noch weiter gegangen. Aber das soll man ja nicht sagen, es könnte dem schlechten Selbstwertgefühl der Zonis neuen Schaden zufügen.
Also schweigen wir, Schwamm drüber, der heroische Dampf der historischen Stunden wird auch bald wieder abziehen. Es braucht dazu keine Debatten, freilich wovon sollen sich die Journalisten und Plauderer sonst auch ernähren, sie brauchen diese elenden Debatten. Frau Maischberger, Herr Lanz bitte,m übernehmen Sie diese nationalen Gefühle, sie kennen sich darin ja bestens aus.

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